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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Vera Firmbach

Veröffentlicht am 22.01.2008     Artikel drucken

territorial imbalance in Stuttgart und Amsterdam

Ein Raum und drei Personen in fünf Akten
von Fabian Chyle


Raum: Adrian Silvestri
Tanz: Eline Tan, Andrea Hackl Tereza Lenerova
Komposition: Mark Lorenz Kysela
Kostüme: Claudia Flasche
Dramaturgie: Hans Peter Jahn

Die neue Produktion des in Stuttgart und Amsterdam ansässigen Choreographen und Performers Fabian Chyle vereinigt diesmal Performance und Installation. Am 23. Januar 2008 wird die Premiere von "Territorial imbalance" im Theater Rampe Stuttgart stattfinden und am 19. Januar 2008 die Ausstellungseröffnung in der Kunststiftung Baden-Württemberg.

territorial imbalance in Stuttgart und Amsterdam

Beide vereint die Frage nach den Auswirkungen von Grenzverschiebungen auf den Raum und damit auch auf den Körper. Was passiert, wenn etwas die Ordnung des persönlichen Raumes in dem Maße gestört hat, dass nur noch automatische Verhaltensweisen möglich sind? Kann man so tun, als ob nichts gewesen wäre? Es ist nicht leicht, in diesem Raum Balance zu finden.

Drei Tänzerinnen agieren auf der Bühne in einer skulpturalen Landschaft. Das Ereignis jedoch hat wahrscheinlich schon stattgefunden. Der Staub hat sich gesenkt, der Lärm verflüchtigt und sie sind noch da als wie zuvor.

Doch nur scheinbar hat es niemanden verändert. Etwas lebt fort, ein Echoraum in dem sich diese Körper bewegen. Und die Körper müssen sich zurechtfinden in den Räumen, wissen, wie sie in und zu den Räumen stehen. Sie sind selbst Raum, denn was ist der Körper, als ein abgegrenztes Territorium, in das etwas versucht einzubrechen, oder aus der Umgrenzung auszubrechen.

territorial imbalance in Stuttgart und Amsterdam

Auch im Raum der Körper scheint sich etwas verschoben zu haben. Er stellt nicht mehr die Umgrenzung dar, die Innen und Außen auseinander halten könnte. Die Haut ist keine Abgrenzung mehr, sie wird zur Membran, wird deterritorialisiert. Innen und Außen werden durcheinander gebracht, was zur permanenten Wandlung von Territorialitäten führt. Es bilden sich Metamorphosen, die an der Oberfläche starten und doch in ganz andere Bereiche vordringen. Der Körper springt zwischen den Zuständen hin und her, macht neuen Formen Platz. Es ist das Gewicht der Geschichte, das die einzelnen Körper beschwert.

Dabei erscheint die Zeit nicht linear, sondern geschichtet. Gegenwart und Vergangenheit liegen dicht beieinander. Und das Gedächtnis des Körpers infiziert seine Bewegungen. Der Körper muss alle seine Parameter neu definieren, sodann über die Ausdehnung seine Räume der zwischenmenschlichen Beziehungen und schließlich seine Formen des Handelns neu erzeugen. Die Tänzerinnen - als Figuren einer abstrakten Menschlichkeit - finden, nachdem sie dieser extremen Situation ausgesetzt waren, mit ihrem Körper individuelle Antworten darauf.

So entstehen eigenwillige Bewegungen in einem posttraumatischen Raum, der sich gleichsam in immer neue Räume verwandelt.

Die skulpturalen bildnerischen Elemente, die auch immer in der Inszenierung der Performance zu finden sind, setzen sich in der Ausstellungspräsentation auf ihre eigene Weise fort. Jedoch zeigt sich auch hier eine gewisse Inszenierungsqualität, die von der Bühne zu kommen scheint. Die Installationen werden aktiv erlebt. Und am Eröffnungsabend wird performt. Bild und Bewegung werden verbunden.

Der performative Raum verbindet sich in dieser Produktion mit dem installativen Raum. Letzterer ist die Verlängerung der Performance durch den Betrachter. Er bestimmt seine Zeit und seinen Weg durch das Thema selbst latein.

terra: "Land", "Gebiet", ein abgegrenzter räumlicher Bereich

Aber auch: Ein Raum, den der Mensch für sich beansprucht, als wäre er eine Erweiterung des eigenen Körpers.

Eine COAC Produktion in Koproduktion mit dem Theater Rampe Stuttgart, dem Danswerkplaats Amsterdam und der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt Stadt Stuttgart, den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg, den Fonds Darstellender Künste und die Galerie Punt WG Amsterdam.


Ausstellungseröffnung: 19. Januar 2008 um 19:30 Uhr in der Kunststiftung Baden-Württemberg mit Performance von Fabian Chyle und Einführung von Hans-Peter Jahn
Aufführungen: 23. - 26. Januar 2008, jeweils 20:00 Uhr im Theater Rampe Stuttgart

"territorial imbalance" wird vom 23.04.08 - 27.04.08 im Theater des Danswerkplaats Amsterdam zu sehen sein.

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