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von Gabriele Busse
Veröffentlicht am 07.04.2008 Artikel drucken
Zum 5-jährigen Jubiläum präsentiert die Kölner Art Galerie 7 in der Retrospektive auf 10 Jahre Kunstschaffen von Thorsten Kern Fotoarbeiten in extremen Formaten
KOELN. „In der Fotografie muss aus meiner Sicht mehr drin sein, als das symmetrische Konzept oder der goldene Schnitt“, erklärt Thorsten Kern. Der Künstler aus Köln zieht am Tag der gemeinsamen Eröffnung der Kölner Galerien mit seinen Fotoarbeiten von reduzierter Ästhetik und in extremen Formaten wieder Sammler, Fotoliebhaber und Kunstflaneure an.
Am 16. April um 18h, im regen Treiben des Galerien-Hopping zur ART COLOGNE, eröffnet die Art Galerie 7 zu ihrem fünfjährigen Jubiläum mit fast dreißig groß- und mittelformatigen Arbeiten die Retrospektive „Thorsten Kern: Fotografien 2003 – 2008“.
"Zermatt_Matterhorn" 2004 80 x 80 cm - edition 10 + 3, ©Thorsten Kern
Thorsten Kern ist für die Art Galerie 7 einer der Künstler der ersten Stunde. Gleich im ersten Jahr der Galerieeröffnung vor fünf Jahren wurden seine Fotografien erfolgreich präsentiert, verkauft und vermittelt. Zu ihm fanden die beiden Galeristinnen Meike Knüppe und Martina Kaiser über ihr Programm, das sich an der Düsseldorfer Schule orientiert und die Genre Malerei und Fotografie sowie deren Spielarten und Übergänge fokussiert.
Den Schwerpunkt Fotografie deckt Thorsten Kern im Programm der Galerie auf minimalistische, humorvolle, vor allem kuriose Art ab. Der gelernte Fotograf sieht seine Vorbilder u.a. im dokumentarischen Blick der Bechers, ist beeindruckt von der Monumentalität Gurskys und fühlt sich zu Hause in der Experimentierfreude eines Thomas Ruff. Der Bezug zur Ästhetik der Fotografie der 90-er Jahre ist als Ausgangsbasis unleugbar, durch die extrem schmalen Hoch- und Querformate hat Thorsten Kern aber seinen ganz eigenen Weg des Ausdrucks gefunden.
Die Retrospektivschau „Fotografien 2003 – 2008" zeigt: Was die Arbeiten von Thorsten Kern für seine Sammler und Liebhaber so spannend macht ist die Freiheit, in der sich der Fotokünstler in Serien wie „Revisited“ oder „Geteiltes Land“ gegenüber dem Umgang mit Motiven und Formaten übt. Seine Fotos zeigen z.B. Stadtikonen unserer Tourismus-gesellschaft - aber meist nur in Ausschnitten. Den Kölner Dom präsentiert Thorsten Kern mal scheibchenweise, als Tryptichon à 10 cm x 100 cm.
Ein anderes Mal stützt sich seine Suche nach dem Unentdeckten im Bekannten auf Randphänomene. Da kommt ein unbedeutender Papierkorb am Fuße des Kölner Doms zu unerwarteter Ehre. Aus Sicht der Fotografie hält der Verschlag der alten, ehrwürdigen, nach oben strebenden Bündelarchitektur tapfer die Simplizität seines Materials und seiner Form entgegen.
Das Bild von „David und Goliath“ erheitert und zeigt die humorvolle Seite des Künstlers, dessen Augenzwinkern aus den Arbeiten alles andere als belehrend oder wertend aufscheint. Besucher dürfen sich freuen, auf ähnliche Weise den „Berliner Reichstag“, das „New York Guggenheim“ oder den „Big Ben“ neu zu entdecken. Die Fotoarbeiten von Thorsten Kern geben dazu den Anstoß. Die Möglichkeit zum neuen Blick muss der Rezipient selbst leisten. Denn bei dieser Art der Fotografie ist der Betrachter Teil des Konzepts mit dem Ziel, die Lust an Hintergründen und Nebenschauplätzen zu wecken.
Die Art Galerie 7 feiert ihr fünfjähriges Jubiläum. Der Gründungsphase entwachsen feiern Martina Kaiser & Meike Knüppe ihr fünfjähriges Bestehen in der Besinnung auf eine erfolgreiche und enge Zusammenarbeit mit ihren Stammkünstlern. Die Ausstellung „Thorsten Kern: Fotografien 2003 – 2008“ bildet den Auftakt zu einem dreiteiligen Ausstellungskonzept, das bis zum Sommer mit Thorsten Kern (Fotografie), Rudolf Heller (Malerei) und R.J. Kirsch (Lichtobjekte, Fotografie und Malerei) die Galeriekünstler der ersten Stunde hervorhebt.
Der Querschnitt durch das Portfolio von Thorsten Kern zeigt die Besonderheit, die man von einer Jubiläumsausstellung erwartet. Künstler und Galeristinnen leisten sich eine Übersichtsausstellung, die auch Schlüsselwerken Raum gibt, die bereits vergriffen sind und folglich nicht mehr zum Verkauf anstehen.
Das wird, wie in der Vergangenheit erlebt, den Einen, der sich verguckt hat und zum Kauf entschlossen ist, betrüben und den Anderen, der seine Arbeit zur Art Cologne dem internationalen Kunstpublikum präsentiert sieht, freuen. Beide werden, sofern nicht in der aktuellen Ausstellung weiter fündig, an den Zukunftskonzepten von Thorsten Kern interessiert sein, der danach gefragt, antwortet: „Mich interessiert für die Fotografie zur Zeit die Möglichkeit des Übergang in die dritte Dimension“. Noch immer ist das Medium Fotografie sowohl für Thorsten Kern als auch für die beiden Galeristinnen nicht ausgereizt.
Thorsten Kern: Fotografien 2003 – 2008
Eröffnung: Mittwoch, 16. April 18h – 21h
Ausstellungsdauer: 17. April bis 14. Mai 2008
ART GALERIE 7: St. Apern-Straße 7, Köln- Galerienviertel-Stadtmitte
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 11h – 19h / Sa. 11h – 18h u.n.V.