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Veröffentlicht am 09.06.2009 Artikel drucken
Post-Bankrott nennt Yann Toma seine aktuelle Berliner Präsentation - und liefert damit als Kunst-Unternehmer und Unternehmenskünstler eine Steilvorlage zur derzeitigen Wirtschaftssituation.
Die Ausstellung läuft noch bis 20. Juni 2009 in der Bourouina Gallery Berlin.
Yann Tomas Arbeit ist im Kern der Wirtschaftssystemik angesiedelt. Sie bildet Wirtschaftsstrukturen ab und macht sie greifbar, indem sie sich deren Prinzipien, Gesetzmässigkeiten und Symbole zu eigen macht. Spätestens seit Beuys wissen wir, dass Kunst selbst keinen Gegenpol zu Kapital und Politik bildet, sondern ein Teil davon ist. Umgekehrt können Wirtschaftswerte und Kapital in Kunst transformiert werden.
Yann Toma stieß Anfang der Neunziger Jahre auf Ouest-Lumière, ein stillgelegtes Elektrizitätswerk bei Paris, das er kurze Zeit später für einen symbolischen Franc kaufte und fortan zum Zentrum seiner Arbeit machte. Als offizieller Rechtsnachfolger transformierte er den Konzern samt Logos, Dokumenten und Gegenständen in sein Kunstunternehmen: Statt ’elektrischer’ Energie wurde nun ’künstlerische’ Energie produziert, statt Produktgruppen wurden Werkgruppen angeboten. Die Ausstellung Post-Bankrott zeigt verschiedene Objekte dieses Kunstunternehmens.
Unter ihnen finden sich ein Organigramm der Firmenstruktur, als auch Teile der globalen Werbekampagne für Ouest-Lumière in Indien. Beide Beispiele sind Ausdruck einer Symbolsprache der industriellen Infrastruktur. Die Flux Radiants thematisieren hingegen relativ direkt das Thema Energie. Diese Lichtbilder zeigen die Energie- und Bewegungsdiagramme menschlicher Aktivität auf und deuten auf diese Weise Licht und Strom als Ausdruck von Lebensenergie und spiritueller Produktivität. In den Crimes Sur Commande zeigt sich das Vorstellungsvermögen, das der Auftraggeber selbst, der Käufer, leisten muss.
Dieser ist aufgefordert, ein Szenario für seinen eigenen Tod zu entwerfen, der vom Künstler inszeniert und dokumentiert wird. Eine Umkehrung des üblichen künstlerischen Produktionsprozesses, der den Künstler als Betreiber einer realen Bürokratie auftreten lässt, welche die Parallele zur Firmenstruktur und Wirtschaftsordnung von Ouest-Lumière darstellt. Die neuesten Werke von Yann Toma sind die Post-Bankrott-Logos. Jene der Finanzkrise 2008 zum Opfer gefallenen Firmen wurden kurzerhand in das globale Unternehmen Ouest-Lumière integriert und dort neuen Aufgaben überstellt.
Die Durchdringung von Fiktion und Wirklichkeit, Bürokratie und Kunst, bildet die Firmenidee von Ouest-Lumière und somit den Kern von Yann Tomas Arbeiten. Ouest-Lumière, als Unternehmen mit realer Geschichte, die sich an zahlreichen Objekten festmachen und ablesen lässt, produziert durch Tomas Bearbeitung seine eigene Fiktion und führt so im Kern auf das zurück, was ein Unternehmen grundsätzlich ausmachen sollte: Kreativität.
Ausstellungsdauer
noch bis 20.Juni 2009
Ort
Bourouina Gallery
Charlottenstr.1-2
D-10969 Berlin
Öffnungszeiten
Di-Fr 11h-18h, Sa 11h-16h
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.bourouina.com