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von Susanne Gottschalk

Veröffentlicht am 13.04.2006     Artikel drucken

Willi Gottschalk - Wasserwelten

Ein Portrait des Malers Willi Gottschalk

Wasser und Wellen im Auf und Ab der Meere, wie auch der Lebensbörse - für den Maler Willi Gottschalk ist die Kunst Schaffensprozess und Philosophie gleich.

Genesis, Schöpfung, Erschaffung – pantha rhei „alles fließt“, ist im Fluss, eine immerwährende Veränderung, nichts bleibt so wie es war und die Gegenwart zerfließt zur Vergangenheit. Wasser und Meer, das ist die philosophische Abstraktion der ständigen Frage nach dem Woher und Wohin, dem Umgang mit der Schöpfung, dem Leben, wie dem Sterben. Das Bild ist für ihn nur Oberfläche, über die Augen des Betrachters entwickelt es Leben und eine eigenständige Gedankenwelt.

Wasserwelten - das Hauptthema seiner Arbeiten zeigen die starke Bindung des Künstlers zu diesem Thema. Die „Faszination WASSER“ zieht sich durch sein gesamtes Schaffen der letzten Jahre – „jeder weiß“, so Willi Gottschalk, „alles Leben kommt aus dem Meer und mit einem Atemzug kann alles vorbei sein, ohne Gnade.“

Begonnen 1992 mit den „Gesichtern des Meeres“ als Serie, setzt er Folge auf Folge nach, charakterisiert mit der ihm eigenen Art, Nord- und Ostsee, den Ozean, See- und Flusslandschaften.

Genauso wie mit Farbe und Form, setzt er sich mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinander, wie u.a. der Wellenphysik.

So entstanden die „Physiker I und II“, mit dem Arbeitstitel „Über die Berechenbarkeit der Welt“.

Willi Gottschalk - Wasserwelten

So schrieb ihm ein Physiker eine Wellen- herleitungsformel ins Gästebuch und dazu weiter: „Sie (Willi Gottschalk) versuchen der Berechnung der Wellen sichtbar zu machen, ich versuche diese zu berechnen.“ Resümee der gesamten regen Diskussion, die größte Konstante bleibt die Unberechenbarkeit der Meere.

In „Epilogos“ findet sich Zeitgeschichte - die Beschäftigung mit Texten zu INGER CHRISTENSEN „EPILOGOS“ führten ihn zu den Bildern aus dem URGRUND. (Copyright by Willi Gottschalk.)


Willi Gottschalk - Wasserwelten



















Willi Gottschalk: „Musterbilder von Erfahrung und Verhalten tauchen hinter oder unter allen Wellen der Zeit und allen Übermalungen wieder auf.“

Mit dem Zyklus “Allein mit rotem Schal“ beschäftigt er sich mit einem neuen großen Thema - Einsamkeit und Nähe.

Willi Gottschalk - Wasserwelten

























In „Allein mit rotem Schal“ (Das Meer ist gar nicht zu sehen) stehen wir vor der grenzenlosen Weite des Horizonts. Das Meer entsteht als Imagination im Kopf. Kommen und Gehen der Gezeiten — Nähe und Distanz sind denn auch das eigentliche Thema des Bildes.

Ganz klein und vom Rand aus wird der Mensch zum zentralen Thema. Der ROTE SCHAL macht das ambivalente Verhältnis zwischen der gesuchten Freiheit, nach Abstand‚ dem Alleinseinwollen und dem Wunsch nach Kontakt, dem Wahrgenommen werden und nach Partnerschaft sichtbar. Ein Spannungsverhältnis, das, wollen wir dem Gedanken folgen — immer nur im Kompromiss aufgelöst werden kann, soweit Willi Gottschalk dazu.

Ganz leise Töne begegnen uns in seinen Flusslandschaften, zumeist Aquarelle - die „lauten“ kommen aus dem Hamburger Hafen, vom Containerterminal. Vorwiegend arbeitet er mit Acryl, aber je weiter er nach Norden kommt, fangen die skandinavischen Impressionen an — Farben, Lichter, Töne und Geschichten verlangen ihre eigene Ausdrucksweise, Peer Gynt und Hans Christian Andersen lassen grüßen.

Willi Gottschalk - Wasserwelten

















Er malt nur phasenweise, sein Zwischenmedium ist die Kamera. Festhalten des Augenblicks, wie einen flüchtigen Gedanken. Später folgen theoretische Auseinandersetzungen mit seinen Freunden, den Büchern und der Musik.

Das Wachhalten der Eindrücke, das Mischen der Farben, das fertige Bild entsteht - im Kopf.

Bewegt wie das Meer verlief bisher auch das Leben von Willi Gottschalk, dem in Bernburg Geborenen, der 1989 seiner Frau Susanne von Dresden nach Schleswig Holstein folgte, die seit 1986 bereits dort auf ihn wartete. Nach Mecklenburg zurückgekehrt, leben und arbeiten beide nun seit sieben Jahren in der alten Schule in Heidhof bei Dömitz.



Copyright TEXTE by Susanne Gottschalk Heidhof 04/2006
Copyright BILDER by Willi Gottschalk Heidhof 04/2006

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