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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Katharina Knieß

Veröffentlicht am 03.09.2007     Artikel drucken

Von Menschen und Schweinen

Gisela Hellinger: Zeichnungen und Installationen zum Thema Schwein (Landshut)

Die aktuellen Landshuter Ausstellungen Gisela Hellingers finden im Rahmen von „Schweinzeit2007 - 99 Tage im Zeichen der Sau“ statt (www.schweinzeit2007.de). Während in der Galerie Rose Papierarbeiten und kleinere Objekte gezeigt werden, behandeln im Röcklturm Installationen samt einer Pflanzeninstallation der „Kunst- und Lustgärtnerei Unterschleißheim“ das Thema raumgreifend.

Wieso beschäftigt sich eine Künstlerin mit Schweinen?
Schweine sind weder erhaben noch geheimnisvoll, weder verführerisch noch bedeutend. Was fasziniert also an einem so profanen und alltäglichen Thema, um es zum Objekt einer Kunstausstellung zu machen?

Von Menschen und Schweinen
Qualverwandtschaft - Gisela Hellinger

Dabei sprechen schon die Zahlen für sich: Sie sind unter uns - etwa 3,8 Millionen Schweine werden allein in Bayern gehalten, 27 Millionen in Deutschland, 1 Milliarde weltweit.

„Unsere Wahrnehmung wird mit Schweinedarstellungen regelrecht überflutet“, so Gisela Hellinger. „Wir alle kennen die Werbebeilagen und Fernsehspots, in denen niedliche rosa Schweinchen Elektroartikel, günstige Sparzinse, ja sogar ganze Häuser verkaufen helfen sollen. Zum Jahreswechsel sind die Läden voll von süßen Marzipanschweinen, die uns im Neuen Jahr Glück bringen sollen.“

Doch von wegen „rosa und niedlich“: Gisela Hellinger geht mit ihren Installationen im Landshuter Röcklturm mit den Menschen ins Gericht - mit ihrer Brutalität gegenüber dem Mit-Geschöpf Schwein, mit ihrer Sucht nach billigem Fleisch und ihrem fehlenden Respekt gegenüber dem Fleischvieh. Manchem Betrachter wird die Wurst also quasi im Halse stecken bleiben, denn ob Zeichnungen oder Kurzfilme, Hellinger verbietet sich jede Schönfärberei.

In ihren Recherchen benutzt sie die Untersuchungen der Nutztierforscherin Prof. Karin Jürgens von der Uni Kassel zusammen. In deren Studien zeigt sich das meist verborgene menschliche Antlitz hinter der Härte des Fleischproduktion: Die meisten Bauern hängen herzlich an ihrem Vieh, haben aber durch den großen Produktionsdruck immer weniger Zeit für ihre Schweine.

Der Kurzfilm „Schweinerei im Schweinestall“ von Thomas Maier (www.tierschutz-videos.de) zeigt gnadenlos offen, wie es in deutschen Mastställen aussieht - makaber, paradox, vielgestaltig ist also nicht die Fantasie der Künstlerin, sondern die ganz alltägliche Realität.

Man merkt der Künstlerin die enge Verbindung zu ihren Akademie-Lehrern Daniel Spoerri und Jörg Immendorff an: Die Auseinandersetzung mit der Realität ist immer Bestandteil ihrer weithin bekannten künstlerischen Arbeit. Die Ausstellungen in Landshut sind eine Weiterführung ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit zum Thema Nahrung, deren Ursprung und Herstellung.

Nach „Bratwurst - Ein künstlerischer Leckerbissen“, Stadtmuseum Nürnberg 2003 sowie Museum für Thüringer Volkskunde und EGA Erfurt 2004 und der Buchveröffentlichung „Die Bratwurst – ein künstlerischer Leckerbissen“ erhielt sie schließlich 2007 den Nürnberger „Bratwurstpreis“. Ein Kuriosum - schließlich ist Gisela Hellinger bekennende Vegetarierin.

Begleitend erscheint ein Katalog.
Kontakt: www.giselahellinger.de

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