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Veröffentlicht am 12.05.2009 Artikel drucken
In sieben Videos rufen zehn Künstler das Begehren, the desire, le désir als dialektisches Gegenüber des Erkennens auf und an.
In den meisten der Arbeiten setzen Darsteller mit großer Schau- und Zeigelust jeweils ein Objekt des Begehrens in eine überraschende Beziehung. Das begehrte Objekt scheint durch das Rollenspiel und das Set verrückt, verschoben; es gerät ins Driften.
Ho Tzu Nyen, The Bohemian Rhapsody
Project, 2006, Video, 6:20 min,
courtesy: the artist Das Filmscreening „Stage of Desire“, zusammengestellt von Petra Reichensperger, Stefan Panhans und Eske Schlüters, stellt in Zeiten einer zunehmenden Virtualisierung von Gefühlen und einer wachsenden Simulation von Realitäten auf der Bühne die Frage nach der Vermittlung von Emotionen und nach den Möglichkeiten von Handlungsspielräumen. Die Verschränkung von Realität und Fiktion ist gemeinsames Thema der eingeladenen Künstler, ebenso wie die Selbstbefragung des Mediums Film.
In „Second Nature“ überlagert Guy Ben-Ner verschiedene Erzählebenen: Tiere, Tiertrainer, und Regisseur spielen ihre Rollen und kommentieren gleichzeitig die Arbeit am Film. Ein Höhepunkt des Films ist der Moment, als die Trainer damit beginnen, Dialogfragmente von Samuel Beckett erst zu deklamieren, dann abzulesen und schließlich nachzuspielen. Auch Keren Cytter bricht gewohnte Dialogformen und Handlungsabläufe auf.
Guy Ben-Ner, Second Nature, 2008, Video,
10:12 min, courtesy: Konrad Fischer Galerie,
BerlinIn „Der Spiegel“ führt sie auf sehr humorvolle Art die Stereotypen von Geschlechterrollen ad absurdum. Ming Wong interessiert sich ebenfalls für Geschlechterverhältnisse und ihre medialen Darstellungen. Der Künstler, der ursprünglich vom Theater kommt, versucht in „Angst Essen“ gar nicht erst, die Mittel der Illusion zu verbergen, sondern setzt ganz auf Maskerade. Ho Tzu Nyen arbeitet ebenfalls mit theatralischen Darstellungen und mit den Effekten von Posen.
„The Bohemian Rhapsody Project“ wäre nur halb so wirkungsvoll ohne die zusätzlichen Mittel der Suggestion, der Übertreibung und des Chorischen. Während es Tzu Nyen um slapstickartige Reflexionen über Pop und Hierachien geht, parodieren Judith Hopf, Deborah Schamoni und Clemens Schönborn in „Elevator Curator“ die Rollenverteilungen zwischen Künstlern und Kuratoren wie sie immer wieder zu beobachten sind.
Keren Cytter, Der Spiegel, 2007, Video,
4:50 min, courtesy: the artistDie Arbeit von Deborah Ligorio unterscheidet sich auf den ersten Blick von diesen Strategien. In „Donut to Spiral“ beschreibt sie eine Reise an den Great Salt Lake zu Robert Smithsons „Spiral Jetty“. Indem sie aus dem Off die vorüber ziehende Umwelt kommentiert, werden die Landschaften selbst zur Bühne, zum Filmset. In „Répeter Alba Negra“ filmen Jeanne Faust und Jörn Zehe rumänische Männer und Frauen bei zahlreichen Variationen des Hütchenspiels in einem Pariser Vorort. Im Zentrum steht die theatralische und gemeinschaftliche Probe eines der ältesten Trickspiele. Die Lust am Spiel wird hier sichtbar: Sie steckt regelrecht an.
Filmscreening anlässlich der Ausstellung
again here. because we aren’t what we are
im M.1,
Freitag, den 15. Mai, um 20.00
Filmprogramm:
Guy Ben-Ner, Second Nature, 2008, Video, 10:12 min, courtesy: Konrad Fischer Galerie, Berlin
Keren Cytter, Der Spiegel, 2007, Video, 4:50 min, courtesy: the artist
Ming Wong, Angst Essen, 2008, Video, 27:00 min, courtesy: the artist
Ho Tzu Nyen, The Bohemian Rhapsody Project, 2006, Video, 6:20 min, courtesy: the artist
Judith Hopf / Deborah Schamoni / Clemens Schönborn, Elevator Curator, 2005,Video, 20:00 min, courtesy: the artists & Croy Nielsen, Berlin
Deborah Ligorio, Donut to Spiral, 2004,
Video, 7:00 min, courtesy: the artist & Francesca Minini, Mailand
Jeanne Faust / Jörn Zehe, Répeter Alba Negra, 2006, Video, 6:00 min, courtesy: the artists & Galerie Karin Günther, Hamburg
Weitere Informationen finden Sie unter
www.arthurboskamp-stiftung.de