Galerien und Kunst : GalerienVirtuell

Neue Beiträge per
RSS
kostenlos
abonnieren.
RSS

Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

ArtikelübersichtArtikel verfassen

von Dr. Ralf Convents

Veröffentlicht am 07.05.2007     Artikel drucken

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute

Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung /SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit Wolfgang Vollmer

Die Ausstellung Stadt-Bild-Köln eröffnet am Motivfeld der Stadt erstmals einen übergreifenden Blick auf die Geschichte der Photographie in Köln. Sie vereint 42 Positionen und rund 240 Exponate aus über einhundert Jahren künstlerischer Photographie.

Ohne Zweifel stellt sich das photographisch festgehaltene Bild der Stadt als ein Spiegelbild ihrer wechselvollen Geschichte dar. Besonders in den städtebaulichen Strukturen, Entwicklungen und Veränderungen, aber auch in der Gestaltung einzelner Gebäude manifestiert sich die Biographie einer Stadt.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Eugen Coubillier: "Fünftürmeblick", um 1910

Im Falle Kölns verdeutlicht sich das generelle Interesse am urbanen Geschehen, das stets Anlass zur photographischen Aufnahme bot. Frei gewählt und auch im Auftrag suchten Photographen vor Ort über Jahrzehnte hinweg, ihr eigenes Bild der Stadt zu erkunden. Infolge der Weltkriege und aufgrund veränderter Sozial- und Wirtschaftsstrukturen unterlag dieses Bild weitgreifenden Veränderungen.

Im Rückblick ist es daher möglich, entwicklungsgeschichtliche Aspekte der photographischen Ästhetik zu reflektieren und zugleich die künstlerische Vielfalt von Perspektiven und Positionen, von Vorstellungen und Visionen, von Konzepten und Ideen, die mit dem Blick auf die Stadt verbunden gewesen sind.

Köln und die Photographie

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ist die Photographie in Köln ein allseits genutztes Darstellungsmittel. Noch bleibt sie einer eher malerischen Formensprache verhaftet, wenngleich allmählich der journalistische Blick Einzug hält und der Nachwelt neben Ansichten der repräsentativen Gebäude solche des alltäglichen Straßenbilds liefert (Anselm Schmitz, Eugen Coubillier, August Kreyenkamp, Wilhelm Scheiner).

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Ulrich Deimel und Petra Wittmar: Bastei, 1999

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und die Unterstützung der Stadtoberen bestimmen bald progressive Bau- und Planungsvorhaben die Silhouette der geschichtsträchtigen Stadt. Moderne Stahlbauten entstehen, beeindruckende Rheinbrücken und neue Grün- und Erholungsgebiete. Industrieflächen entwickeln sich, Hafenanlagen werden erweitert, und 1924 eröffnet in Deutz die Messe.

Nicht nur die Aufmerksamkeit der auswärtigen Photographen wird durch diese Fortschritte geweckt, sondern auch einheimische Lichtbildner dokumentieren nun städtebauliche Innovationen mit sachlichem Blick. August Sander schafft mit seinem Werk "Köln wie es war" das wohl konsistenteste photographische Konvolut zum Kölner Stadtbild.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Lee Miller: "SIGHT SEERS KEEP OUT", US-Soldaten vor dem Kölner Dom, 1945

Eindrucksvolle Einzelbilder, Reiseberichte und Reportagen zeigen darüber hinaus, dass Köln zum Zentrum von Handel, Verkehr und neu erwachtem Tourismus am Rhein geworden ist, in dem ebenso der Tradition ein wichtiger Stellenwert zugewiesen wird (Hannes Maria Flach, Ruth Hallensleben, Werner Mantz, Albert Renger-Patzsch, Alfred Tritschler).

Infolge des Dritten Reiches machen massive Bombenabwürfe aus der lebendigen Großstadt eine erschütternde Ruinenlandschaft. Bei der Befreiung durch die Amerikaner leben in Köln nur noch 40 000 Menschen.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Hannes Maria Flach: Köln, Neumarkt, um 1934

Mit dem Kriegsende sind es vor allem amerikanische Reporterinnen, aber auch deutsche Photographen, die mit ihren ausführlichen Bildberichten den verheerenden Zustand der Straßen und Plätze weltweit publik machen (Margaret Bourke-White, Hermann Claasen, Walter Dick, Lee Miller). Die Verwüstung hat ein solches Ausmaß angenommen, dass man sogar eine Verlegung des Zentrums in den Norden der Stadt überlegt. Doch die Menschen ziehen bald in ihre Stadt zurück.

Vom kaum für möglich gehaltenen Wiederaufbau geht fortan eine große Faszination aus, die auch für das Medium der Photographie neue Impulse schafft. Eine selbstbewusst subjektive Bildsprache stellt sich in vielen der photographischen Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre ein, und umfangreiche Bildbände, die architektonische Errungenschaften wie Hochhäuser, Vorortsiedlungen und neu geschaffene Straßenfluchten zeigen, finden außerordentliche Resonanz.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
August Sander: Das Häusermeer, 1930er Jahre

Andere Werke lenken wiederum den Blick auf die Stadt als Lebensraum, wo sich zwischen Altem und Neuem eine spezifische Atmosphäre des wieder gewonnenen Alltags vermittelt (Henri Cartier-Bresson, Chargesheimer, Fritz Eschen, Peter Fischer, Heinz Held, Lotte Laska, Karl-Hugo Schmölz, Julius Shulman).

Der Euphorie der Wiederaufbauzeit folgt in den 1970er Jahren eine gewisse Ernüchterung. Köln gilt wie viele deutsche Großstädte als hässlich, widersprüchlich und ungastlich. Das Image ist trotz der wirtschaftlich guten Bedingungen eher negativ besetzt, und die Kritik an der Stillosigkeit einiger Gebäude, an dem oft ungebremsten Baueifer und an der verbreiteten Unterwerfung geplanter Vorhaben unter das Diktat des Autoverkehrs bestimmen den Tenor der in dieser Zeit entstandenen Bildserien.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Chargesheimer: Unter Krahnenbäumen, Ecke im Krahnenhof, 1970

Städtebauliche Maßnahmen werden ebenso hinterfragt wie die Hinwendung zu neuen Kunst- und Kulturräumen. Anpflanzungen von Bäumen, das Schließen vieler Trümmergrundstücke und verschiedene Neubauten in Rheinnähe komplettieren das neustädtische Köln. Skeptisch, doch nicht ohne Ironie suchen die Autoren die offene Auseinandersetzung mit dem Bild der Domstadt (Barbara Klemm, Reinhard Matz, Dirk Reinartz, Wilhelm Schürmann, Eusebius Wirdeier).

Die aktuelle wirtschaftliche Lage einer Millionenmetropole macht es weiterhin nicht leicht, städtebauliche Planungen mit herausragenden Architekturen zu platzieren. Verschiedenartige Bedürfnisse sowie daraus resultierende Kompromisse bestimmen Umbauvorhaben oder zwingen zur Beibehaltung von Missständen.

Stadt-Bild-Köln - Photographien von 1880 bis heute
Wilhelm Schürmann: Hohenzollernring, 1988

Der Zustand der Straßen, die Umstrukturierung von Gebäuden und die Idee eines visionären städtebaulichen Konzepts werden derzeit in der Stadt rege diskutiert, und der Wunsch nach dauerhaft überzeugenden sowie flexibel offenen Modellen rückt ins Blickfeld.

Unabhängig davon entwickeln sich gerade im Bereich der aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Medium Photographie neue Perspektiven, die das städtische Leben und seine Ausgestaltung vielfältig reflektieren und auf eine generelle Anschauungsebene bringen (Boris Becker, Vincenzo Castella, Martin Claßen, Ulrich Deimel + Petra Wittmar, Frank Dömer, Albrecht Fuchs, Candida Höfer, Uschi Huber, Max Regenberg, Achim Riechers, Thomas Ruff, Florian Schwinge).

Die Ausstellung basiert auf einer Ausstellungsidee und auf Rechercheergebnissen von Wolfgang Vollmer, die in Kooperation mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur erweitert umgesetzt worden sind. Begleitend erscheint ein Katalog im Steidl Verlag.

1. Juni bis 12. August 2007
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Raum 1 - 4, Im Mediapark 7, DE-50670 Köln

Künstlerverzeichnis
Kunstreport
Suchanfrage starten...