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von Michaela Derra
Veröffentlicht am 13.11.2008 Artikel drucken
Hanns Bolz gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Wegbereitern der Moderne. Der Zeitzeuge und Schriftsteller Karl Otten befand, dass seine „Bilder weiter gingen, als selbst Delaunay und Picasso es wagten“.
Viele der Arbeiten von Hanns Bolz gelten als verschollen, da er testamentarisch die vollständige Vernichtung seines Werkes verfügt hatte. So kommt es einer kleinen Sensation gleich, dass sein um 1910/11 geschaffenes „Porträt des Kunsthändlers Alfred Flechtheim“ jetzt in den Premieren-Auktionen vom 3./4. Dezember bei Ketterer Kunst zum Aufruf kommt. Die Schätzung ist mit € 18.000-24.000 sehr zurückhaltend angesetzt.
Hanns Bolz. “Porträt des Kunsthändlers Alfred
Flechtheim”. Öl auf Leinwand, um 1910/11.
41 x 33 cm. Schätzpreis: € 18.000-24.000
„Es war schwer zuzuordnen, dieses 41 x 33 cm große Ölgemälde, aber nach einem Jahr der Recherche wissen wir jetzt definitiv, dass dieses ausdrucksstarke Porträt ohne Signatur ein echter Bolz ist“, so Robert Ketterer, Auktionator und Inhaber von Ketterer Kunst. Belegt wird dies durch eine aktuelle Expertise von Ernst Cremer aus Aachen. Die Urheberschaft wurde sowohl von Prof. Dr. Heusinger von Waldegg als auch vom Verfasser des Hanns Bolz-Online-Werkverzeichnisses, Erich Kukies, bestätigt.
Der 1885 in Aachen geborene Künstler studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und ging wohl Anfang 1909 nach Paris, wo er Pablo Picassos kleines Atelier auf dem Montmartre, in der rue Gabrielle 49 übernahm. Er war unter anderem eng mit Max Ernst und Otto Freundlich, der schließlich auch sein Trauzeuge wurde, befreundet.
Schnell schloss sich Bolz in Paris der kleinen deutschen Künstlerkolonie an, die sich im Café du Dôme um Purrmann und Levy etabliert hatte. Dem renommierten Kunsthändler Alfred Flechtheim war es vergönnt, diesen illustren und in seinen Stilrichtungen völlig unterschiedlichen Kreis 1914 erstmals in seiner Galerie zu zeigen.
Guillaume Apollinaire sparte in der Zeitschrift „Paris Journal“ nicht mit Kritik an der Ausstellung der deutschen „Dômiers“, nur Hanns Bolz war einer der wenigen, die positiv von ihm beurteilt wurden. So attestierte der Journalist dem Künstler einen „scharfsinnigen Geist“.
In dieser für Bolz so prägenden Zeit entstand vermutlich auch das Porträt von Alfred Flechtheim, das als eines der Hauptwerke des Rheinischen Expressionisten gelten darf. Die vom Künstler gewählte Perspektive lässt den Kopf des Dargestellten bildfüllend erscheinen, und die Beleuchtung schräg von Hanns Bolz. “Porträt des Kunsthändlers Alfred Flechtheim”.
Öl auf Leinwand, um 1910/11. 41 x 33 cm. Schätzpreis: € 18.000-24.000. hinten verleiht den Gesichtszügen eine besondere Prägnanz. Dieses Bild vereint Anregungen der Pariser Malerei mit Tendenzen der Neuen Sachlichkeit und illustriert auf einzigartige Weise den ganz eigenen, unverwechselbaren Beitrag, den Hanns Bolz zur Kunst der Klassischen Moderne geleistet hat.
Darüber hinaus sprechen Provenienzen wie „Der Neue Kunstsalon Max Dietzel, München“ und die „Neue Kunst Hans Goltz, München“ (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett) für sich.
Sein Ende ist tragisch: Hanns Bolz erleidet im Krieg eine schwere Gasvergiftung, wird aus der Reichswehr vorzeitig entlassen und verstirbt 1918 nur 33jährig in der Kuranstalt Neuwittelsbach an den Folgen seines Kriegsleidens. Von seinem künstlerischen Schaffen, das er schon so jung beenden musste, bleibt nur ein kleiner Teil erhalten. Um so ergreifender, dass gerade dieses so bedeutende Porträt nach so langer Zeit wieder ins Licht der interessierten Öffentlichkeit tritt.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.kettererkunst.de