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von Michaela Derra
Veröffentlicht am 16.11.2010 Artikel drucken
„Vintage Prints von Imogen Cunningham sind auch in den USA rar. Dass nun eine solche Arbeit in Europa bzw. in Deutschland angeboten wird, kommt einer kleinen Sensation gleich“, so Robert Ketterer. Am 4. Dezember wird er den Gelatinesilberabzug aus den frühen 1920er Jahren anlässlich seiner Jahresabschluss-Auktion in München versteigern.
Anfang der 1920er Jahre betritt Imogen Cunningham fotografisches Neuland. Sie entdeckt die Poesie der Pflanzenwelt. Eine Auswahl dieser „Blumenformen-Serie“ schlägt Edward Weston erfolgreich für die 1929 geplante Werkbund-Ausstellung in Stuttgart vor. Zu den wohl gelungensten Beispielen aus dieser Zeit zählt „Cotyledon“. Der äußerst seltene Gelatinesilberabzug aus den frühen 1920er Jahren kommt mit € 40.000-60.000 zum Aufruf.
Imogen Cunningham, Cotyledon, Frühe 1920er Jahre, Gelatinesilberabzug, 21,6 x 17,6 cm (8.5 x 6.9 in), Schätzpreis: € 40.000-60.000Zwar zählen Porträt- und Aktaufnahmen ebenfalls zu den intensiveren Beschäftigungsfeldern von Imogen Cunningham, doch die Pflanzensujets nehmen einen ganz besonderen Stellenwert innerhalb ihres OEuvres ein. Hier manifestiert sich bereits sehr früh der klare Wunsch nach einer neuen Ästhetik. So ist die botanische Dokumentation zweitrangig, vielmehr liegt das Interesse der Künstlerin in dem durch die Detailaufnahme intendiert-abstrakten Charakter des Dargestellten. Das organische Formenspiel allein wird zum bildbestimmenden Inhalt, wobei das übergeordnete Ziel dennoch die reale Naturerfahrung bleibt.
Imogen Cunningham wird 1883 in Portland/ Oregon geboren. Nach ihrem erfolgreichen Chemiestudium an der Universität von Washington arbeitet sie im Atelier von Edward S. Curtis in Seattle, bevor ihr ein Stipendium 1907 den Besuch der Technischen Hochschule in Dresden zum Studium der Fotochemie ermöglicht. 1910 kehrt sie in die USA zurück, eröffnet ihr eigenes Portät-Studio und zieht einige Jahre später nach Kalifornien, wo sie Edward Weston heiratet. Er erkennt und fördert ihr Talent. 1932 gründen sie gemeinsam mit Fotokünstlern wie Ansel Easton Adams und Williard van Dyke die Gruppe „f/64“, die die Auffassung einer bewusst weichzeichnenden Fotografie verneint.
Bis 1935 ist Imogen Cunningham immer wieder für die Zeitschrift Vanity Fair tätig. Heute sind die Arbeiten der Künstlerin Klassiker der Fotografie, doch bereits zu Lebzeiten gehörte sie zu den die Fotokunst prägenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, was zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen widerspiegeln.
Neben dieser Ikone der Modernen Fotografie kommen im Rahmen der Auktion Moderne Kunst und NACH 1945/Zeitgenössische Kunst zudem Werke so bedeutender Künstler wie Horst Antes, Stephan Balkenhol, Willi Baumeister, Conrad Felixmüller, Keith Haring, Hans Hartung, Jörg Immendorff, Anish Kapoor, Ernst Ludwig Kirchner, Martin Kippenberger, Paul Klee, Fritz Koenig, Sol LeWitt, Markus Lüpertz, August Macke, Franz Marc, Marino Marini, László Moholy-Nagy, Johann Georg Müller, Gabriele Münter, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Neo Rauch, Gerhard Richter, Christian Rohlfs, Emil Nolde, Pierre-Auguste Renoir, Julian Schnabel, Kazuo Shiraga, Günther Uecker, Wols und Richard Ziegler zum Aufruf.
Weitere Informationen erhalten Sie unter
www.kettererkunst.de