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von Michaela Derra

Veröffentlicht am 20.05.2010     Artikel drucken

Qualität besticht: Expressionismus und ZERO-Kunst im Aufschwung

Qualität besticht: Expressionismus und ZERO-Kunst im AufschwungGabriele Münter, Landschaft mit Sonnenblumen. 1910, Öl auf Malpappe, auf Tischlerplatte aufgelegt, 32,8 x 40,7 cm (12.9 x 16 in), Schätzpreis: € 250.000-350.000
“Noch vor gut einem Jahr sorgten ängstliche Prognosen für Unsicherheit, doch der Kunstmarkt hat sich nicht nur in schwierigen Zeiten als stabil erwiesen, sondern verzeichnet neue Rekorde“, so Robert Ketterer, Inhaber von Ketterer Kunst.


„Qualität ist das, was zählt“, ergänzt er im Hinblick auf seine Hauptauktionen am 12. Juni 2010 mit den thematischen Schwerpunkten:

1. Moderne Kunst
2. NACH 1945/Zeitgenössische Kunst



zu 1: Moderne Kunst

der Spitze stehen hier gleich mehrere Arbeiten von Gabriele Münter. Neben dem von leuchtendem Rot bestimmten Porträt „Beim Malen (wohl Marianne von Werefkin)“ (Schätzpreis: € 270.000-380.000) glänzt eine 1910 entstandene „Landschaft mit Sonnenblumen“, die mit einer Taxe von € 250.000-350.000 zum Aufruf kommt. Beide Werke lassen deutlich die Auseinandersetzung der Künstlerin mit einem konturbetonten Malstil erkennen. Zugunsten einer stringenten Wirkung der Farbe reduziert Münter alle Formen auf schwarz umrandete Flächen, die in ihrer strengen Geometrie die Farben umso stärker wirken lassen. Auch der „Staffelsee“ (Taxe: € 140.000-180.000) von 1934 bringt dies ganz hervorragend zum Ausdruck.

Ein weiteres Top-Los kommt von Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff. Nach den großen Erfolgen, die man in den letzten Jahren mit „Die Kurtisane“ (Erlös: € 474.000*), „Vier badende Mädchen“ (Erlös: € 454.000*) und „Zirkusszene“ (Erlös: € 300.000*) bei Ketterer erzielte, darf man nun gespannt dem Aufruf des 65 x 85 cm großen Ölgemäldes „Reptilien“ entgegenblicken. Die Taxe für das um 1912 entstandene Werk liegt bei € 250.000-350.000.

Mit 100.000-150.000 geht neben dem Ölgemälde „Holsteinisches Bauernhaus“ von Christian Rohlfs, der zudem mit der Tempera-Arbeit „Blaues Haus“ (Taxe: € 40.000-60.000) vertreten ist, auch eine “Variation“ von Alexej von Jawlensky an den Start. Der Titel des Werks ist bereits Programm. Der Künstler lässt sich hier von der Farbinspiration tragen, die er einer Komposition aus amorphen Formteilen zuordnet. Wenn die Beziehung zur Musik in der abstrakten Kunst immer wieder beschworen wird, so dürfte sie in Jawlenskys Variationen, in denen das Grundthema ständig modifiziert wird, ihre reinste Ausprägung finden. Ähnliches klingt in dem 1936 entstandenen „Stilleben: Grauer Klang“ an. Die Schätzung für das 18,9 x 12,3 cm große Werk liegt bei € 50.000-70.000 während die ähnlich kleinformatige „Meditation No. 278“ bereits für € 45.000-55.000 zu haben sein könnte.

Den Bereich der Skulpturen und Objekte führt „La table grecque“ von Diego Giacometti an. Mit diesem rechteckigen Tisch (44 x 122 x 97 cm), den es auch in einer quadratischen Variante gibt, setzt der Künstler statische Funktionen wie Tragen, Lasten und Verstreben, spielerisch um. Die Schätzung liegt bei € 120.000-150.000. Für € 75.000-95.000 könnte dagegen seine „Bibliothèque au Mexique“ zu haben sein. In diesem eher seltenen Motiv des Regals verweist der Künstler mit zwei Eulen auf den hinteren Spitzen als Sinnbild der Weisheit auf die Bstimmung des Objektes als Bücherregal.

Weniger raumgreifend ist neben Auguste Rodins Bronze „Andrieu d’Andres (Les bourgeois de Calais)“, die mit einer Taxe von € 70.000-90.000 an den Start geht, auch Ernst Barlachs mit € 60.000-80.000 angesetzte Bronze „Der Buchleser“. In seiner sitzenden Gestalt steht er für die Abschottung von allem Weltlichen. Die einfachen Formen, die sich in den schweren Gewandfalten zu kompakten Massen verdichten, verkörpern Ruhe und Gelassenheit.

Abgerundet wird das Angebot der Abteilung Moderne Kunst neben Ernst Ludwig Kirchners Farbstiftzeichnung „Sitzende am Tisch“ (Taxe: € 30.000-40.000) unter anderem von Werken folgender Künstler: Herbert Bayer, Max Beckmann, Albert Birkle, Albert Bloch, Eward Cucuel, Sonia Delaunay-Terk, Kees van Dongen, Helmut vom Hügel gen. Kolle, Tamara de Lempicka, August Macke, Ewald Mataré, Otto Mueller (zwei Blätter aus der Zigeunermappe), Emil Nolde, Pablo Picasso, Hermann Max Pechstein und Arnold Topp.


zu 2. NACH 1945/Zeitgenössische Kunst

Zu den Höhepunkten dieser Sparte zählt neben Roy Lichtensteins „Reverie“ (Taxe: € 85.000-95.000) und Tom Wesselmanns Ölgemälde „Study for a Nude Painting Print“ von 1979 auch die 1954 entstandene Komposition „Andalousie“ von Maurice Estève. Die Schätzung für letztere liegt bei je € 120.000-160.000. Während Estèves Oeuvre eine neue Bildsprache, eine lyrische Abstraktion begründet, deren Ziel es ist Form und Farbe in fast poetischer Attitüde darzustellen, steht bei Tom Wesselmann die kritische Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft und ihrem Einfluß auf den Einzelnen im Vordergrund.

Qualität besticht: Expressionismus und ZERO-Kunst im AufschwungGünther Uecker, Feld (Haut). 1964, Nägel auf Leinwand auf Holz, weiße Farbe, 100 x 100 cm (39.3 x 39.3 in), Schätzpreis: € 200.000-300.000

Im Aufschwung begriffen ist die ZERO-Kunst. Immer mehr Sammler entdecken den meditativen Reiz, der in Rhythmus und Dynamik dieser Werke begründet liegt. Vor allem Arbeiten von Günther Uecker sind gefragter denn je. Ein Glanzlicht der Auktion ist seine Nagelarbeit „Feld“ von 1964, die mit einer Schätzung von € 200.000-300.000 an den Start geht. Ebenfalls für Spannung im Auktionssaal dürfte seine 90 x 90 cm große „Spirale“ sorgen. Sie kommt mit einer Taxe von € 80.000-120.000 zum Aufruf.

Daneben glänzen zwei Arbeiten von Gotthard Graubner. Sein großformatiger (200 x 200 cm) „Farbraumkörper (Gelb)“ von 1982/83 ist mit einem Schätzpreis von € 50.000-70.000 versehen. Dagegen könnte ein titelloses Werk desselben Künstlers schon für € 25.000-35.000 zu haben sein. Auch in dieser ca. 55 x 60 cm großen Arbeit gelingt es Graubner durch das Aufspannen von Perlongaze einen aus zufälligen Fabverläufen aufgebauten Farbraum zu einem entrückten Farbklang von beeindruckender Tiefe und Präsenz zu steigern.

ZERO-typisch auf Schwarz-Weiß reduziert ist Heinz Macks „Structure dynamique noire“ aus dem Jahr 1962. Um der Formlosigkeit des Tachismus zu entgehen und klassische Kompositionsprinzipien zu vermeiden erschuf der Künstler vibrierende Rhythmuskurven, die an Cardiogramme erinnern. Die 109,5 x 129 cm große Arbeit ist mit einer Taxe von € 40.000-60.000 angesetzt.

Abgerundet wird die ZERO-Offerte von Adolf Luthers „Integreation, Sphärisches Hohlspiegelobjekt“, einem großforamtigen, siebenteiligen Objekt, das bestens dazu geeignet ist, den Betrachter zu irritieren. Die zahlreichen Spiegel vervielfältigen nicht nur ihre Umgebung, verdrehen und verzerren die Perspektive, sondern vermitteln auch in der Bewegung eine komplexe optische Erfahrung. Der Schätzpreis liegt bei € 60.000-80.000.

Außerdem kommen neben Jörg Immendorffs Bronze „Affenbaum“ (Taxe: € 70.000-90.000), Peter Doigs „High-Way“ (taxe: € 75.000-85.000) sowie Damien Hirsts „Second Series Biopsy ...“ (Taxe: € 60.000-80.000) und Johann Georg Müllers „Soho/Die Schau“ wichtige Arbeiten von Georg Baselitz, Eduardo Chillida, Rupprecht Geiger, Keith Haring, Martin Kippenberger, Fritz Koenig, Norbert Kricke, Robert Longo, Richard Pettibone, Gerhard Richter, Julian Schnabel, Frank Stella und Emil Schumacher zum Aufruf.


Weitere Informationen finden Sie unter
www.kettererkunst.de

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