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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Eva Horstick-Schmitt

Veröffentlicht am 09.05.2007     Artikel drucken

Offener Brief einer Künstlerin an die Politik

Vor zwei Tagen erreichte uns eine E-Mail folgenden Inhalts:

"Das habe ich heute der Politik zugeschickt! Vielleicht hilft es ja den Künstlerinnen. Gruss aus Do."

[imgl]http://www.galerienvirtuell.de/images/artikel/582_eva.jpg[/imgl]Es liegt ein großer Reiz darin, diesen "Brief an die Politik" zu einem offenen Brief zu machen und hier zu veröffentlichen. Was die Erfinderin des Babaismus, Eva Horstick-Schmitt, schreibt, spricht vielen in Deutschland aus dem Herzen. Nicht nur den Künstlern, es spricht meiner Mutter ebenso aus der Seele wie meinem KVB-Chauffeur. Die von der Künstlerin angeprangerte Mentalität ist Lebenslagen und Branchen übergreifend.


Sehr geehrte Damen und Herren der Kultur!

Von diesem Verteiler ausgehend hätte ich eine Nachricht, die, wie ich finde, alle etwas angeht.

Auch wenn es aussieht, als wäre da jemand frustriert. Bin ich nicht.

Seit vielen Jahren arbeite ich als Fotodesignerin und Künstlerin in diesem Lande.

Was mir auffällt, ist die Tatsache, dass Kunst von vielen Menschen konsumiert wird an Wochenenden und vor allem wird die Energie, die Kunst ausstrahlt, sehr geschätzt.

Jeder will sich damit schmücken auf Vernissagen.

Wir aber als Künstler und Künstlerinnen sind es, die diese Energie zumeist kostenlos dem Publikum zur Verfügung stellen. Erst einmal.

Eine Vernissage und ein bisschen Gelaber. … noch ein Schnittchen hier und da gefällig. Alle gehen nach Hause und hatten Spaß ….

Messen werden für das Publikum organisiert und dort dürfen Sie dann auch Eintritt zahlen und Kunst erwerben.

Das darf jeder normale Mensch. Er bekommt serviert, was andere vorab aussortiert haben. Also einen kleinen minimalen Ausschnitt, bei dem ein "Galerist" meint, Sie würden es ihm abkaufen.

Präsentiert wird das alles ganz toll in gutem Licht. Dazu kommt noch, dass die Kunstmessen wie Pilze aus dem Boden sprießen. Aber wo sind denn all die Leute, die dafür Geld ausgeben?

In London sind sie nicht. Da kommen die Deutschen und kaufen angeblich – sagte man mir vor 4 Wochen. Ei wo sind denn diese Deutschen in diesem Lande, die noch Geld für Kunst ausgeben?

Gibt es da Adressenlisten? Wieso fliegen die denn extra nach London? Da hängt doch nicht bessere Kunst als hier.

Die "Wa(h)re" Kunst ist ein Gut, das es verdient, angemessener behandelt zu werden, als einfach nur der "Bereicherung" von Galeristen und Händlern zu dienen.

Am meisten verdient nicht der, der es verdienen müsste.

Der Künstler ist ein armes Würstchen – abhängig von Märkten und Marktchancen. Abhängig von Typen, die nicht achtenswert sind, sondern einfach nur Geldgeil.

In Berlin macht eine Galerie nach der anderen auf, um dann nach einem Jahr wieder von der Bildfläche zu verschwinden.

Es gibt da so einen Galeristen, der behauptet, man hätte seinen Stand leer gekauft auf einer Kunstmesse. Aber aus sicherer Quelle weiß ich, dass er seine Bilder gut versteckt hat.

Ein übler, aber geschickter PR-Geck eines Schleimscheißers, um sich zu platzieren - und die Medien fallen drauf rein.

Als Künstler auf so einer Messe, wie z.B. die Art Basel oder ähnliches präsentiert zu werden - ist nicht nur dem Können zuzuschreiben, sondern dem "Ausgewähltsein" durch einen Galeristen.

Sie müssen dazu wissen: Ein Galerist ist nicht mehr als ein Mensch, der ein Geschäft eröffnet. Er muss nicht zwangsläufig etwas von Kunst verstehen. Er oder sie kann alles sein. Wirt, Zahnarzt, Hausfrau, Politiker. Einfach nur ein Mensch.

Es ist kein Beruf mit Ausbildung. Leider nicht.

Deshalb gibt es auf dem Markt auch einige Schaumschläger der besonderen Art.

Gott sei Dank gibt es Ausnahmen. Galeristen, die Kunst oder Kunsthistorie studiert haben, oder einfach auch seriös arbeiten. Nur leider echt zu wenige.

Es gibt keine Gelder für Ausstellungen, es sei denn man hat einen großen Namen.

Leider habe ich in meinem Umfeld festgestellt, dass viele gute Künstlerinnen und Künstler von Hartz IV leben müssen.

Das könnte ich mittlerweile auch in Anspruch nehmen aufgrund unserer Lage auf dem Kunstmarkt. Aber vorab wird noch das Holzhäuschen verkauft.

Mangel in D

Nicht weil nicht gearbeitet wird, gibt es kein Geld, sondern weil wir unsere Ausstellungen nicht bezahlt bekommen.

Wir sind in einer so desolaten Lage, dass es wirklich an die Schmerzgrenze geht für viele. Auslagen und Kosten machen es dazu noch deftiger.

Dazu kommt ein 12 Stunden Tag – jedenfalls bei mir, weil ich nebenbei als Fotografin zusehe, Jobs zu bekommen - Akquisearbeit.

Dieses notwendige Geld zu einem angemessenen Preis herein zu bekommen, ist fast unmöglich dank unserer neuen Digitaltechnik und der Studenten, die sich für wenig Geld anbieten am Markt . Danke denen, die sich unter Preis verkaufen. Ist ja echt klasse. (Das meine ich natürlich nicht ernst)

Und erst die ganzen Events um das Thema Foto.

Wettbewerbe en Masse. Da kommt dann einer her und will je Bild 15 Euro, einfach so, damit man sich beteiligen darf an dem Wahnsinn eines Ausbeuterschemas.

Da verdient nur einer. Der Ausrichter des Wettbewerbes.

Es gab noch nie so viele sogenannte Fotografen wie heute, denn dieser Beruf ist nun auch nicht mehr geschützt, so wie es früher war.

Jeder kann sich Fotograf nennen, ob er oder sie eine(r) ist oder nicht.

Auch Journalisten gibt es wie Sand am Meer. Denen geht es nicht anders und besser. Hatte gerade interessante Gespräche.

Für unsere Künstler-Fotografen und allgemein Freelancerleben wünsche ich mir mehr Sicherheit in diesem Land.

Konstruktiver Vorschlag

Ich finde, wir müssen wie in den Niederlanden den Künstlern, die nachweislich davon leben und auch Ausstellungen machen, ein Grundgehalt sichern, welches sie überleben lässt und nicht abhängig macht von Harz IV oder anderen Zuwendungen. Wir sind gezwungen zig Jobs zu machen, um zu überleben.

Seit dem Euro haben wir alle weniger Geld in der Tasche und die "Geiz ist Geil"-Nummer hat ihr übriges getan.

Wer kauft denn schon ein Bild – Kunst?

"Es sei denn, es passt gerade zur Gardine, und schau an, die Farbe auch noch zum Schrank - ach ja ich vergaß – das Bild darf aber nichts kosten."

Wir haben keinen Bock mehr, unsere Energie kostenlos bereit zu stellen und wünschen Abhilfe!

Wir alle empfinden Kunst als wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Erweiterung des Horizontes. Haben Sie hier – ja Sie schon mal "Kunst" gekauft ohne aufs Geld zu schauen?

Ich kann von mir behaupten, ich habe es getan – von anderen Künstlern Bilder gekauft.

Dafür habe ich schon mal einen Kredit aufgenommen. Denn ich finde für Kunst einen Kredit aufzunehmen ist allemal besser als für ein Auto.

Wenn Sie fragen warum ich mir hier so viel Zeit nehme … das ist das Ergebnis von Gesprächen mit Künstlerinnen, die an der Grenze zur Armut leben und sich fragen, wo das endet.

Schön, dass alles, was uns die "Geiz ist Geil"-Werbung brachte, zumindest einen reich machte. Die Werbeagentur, die den Slogan entwickelt hat.

Sicher haben die das nicht für ein Appel und Ei gestrickt und den Sinn dieses Wortgebildes für sich selbst in Anspruch genommen.

Sicher ist auch, dass wir als Künstler/innen in Deutschland - bis auf ganz wenige Ausnahmen - uns mit unserer Kunst beerdigen lassen können.


Mit freundlichen Grüßen

Eva Horstick-Schmitt

44229 Dortmund
0231-735448

www.arteve.de
www.2490.org


PS: Mit Künstler meine ich keine Damen, die Herzchenbilder malen und diese in Frisörgeschäften verkaufen ...

Nachtrag d. Red.: Dieser Brief hat bei vielen Menschen aus der Branche (Galeristen, Künstler, sogar einige Politiker) einen positiven Widerhall gefunden, da sie die hier beschriebene Erfahrung deckungsgleich teilen.

Es besteht Unterstützungsbedarf Seitens weiterer Künstler, denen die Sache ebenso am Herzen liegt. Eva Horstick-Schmitt möchte gerne, wie sie uns heute geschrieben hat, Jonathan Meese als Beistand gewinnen, weil er eine Revolte vorausgesagt hat, so wie Eva.

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