ArtikelübersichtArtikel verfassen
von Carsten Brinzing
Veröffentlicht am 21.05.2010 Artikel drucken
Schnurrbärte für Berlin
Am 28. Mai 2010 eröffnet das Direktorenhaus - ein neuer Kunst-Ort in Berlin, an dem die Simulation eines temporären Gesamtkunstwerks erprobt werden soll. Traditionelle, handwerkliche Künste werden mit den analogen technisch-apparativen und digitalen Medien gekoppelt und beschränken sich nicht nur auf ihre Ästhetik, sondern verstehen sich auch als experimentelle Anordnungen mit sozialen und asozialen Bezügen.
Die Ausstellungen im Direktorenhaus spielen mit der gewohnten Wahrnehmung Katz und Maus und geben die Initialzündung für einen Ort in Berlin, an dem Kunst, Craft, Design, Musik und Leben zusammenkommen.Das Haus, initiiert von den beiden Illustrative-Gründern Pascal Johanssen und Katja Kleiss, zeigt Unikate, Prototypen und limitierte Serien durch die künstlerischen Disziplinen hinweg. Greifbar sind diese internationalen Design-Entwicklungen nun mitten in Berlin.
Olaf Hajeks “Flowerheads”
Die erste von vier themenbezogenen Ausstellungen widmet sich dem Berliner Illustrator Olaf Hajek und wird ergänzt um Installationen und Objekte von Künstlern und Designern, die sich wie ein verschlungenes Mosaik im Gebäude breit machen. In der Ausstellung „Flowerhead“ zeigt Hajek seine neue Varianten der Natureman-, Flowerhead- und Waldmotive, in denen sich seine bekannte Schabetechnik mit Anklängen südamerikanischer Folklorekultur, Mythologie, Religion, Geschichte und Geographie verbindet. Hajek kombiniert Realität, Mythologie, Phantasie und Traum in der Tradition des Magischen Realismus. In spürbarer Nähe dazu präsentieren das amerikanische Studio Gorm, das Stockholmer Design-Büro Muungano und die Wiener Gestalter Vandasye experimentelle Konstellationen aus Illustration, Möbeldesign und sonderbaren Objekten.
Die Ausstellungsperioden des Direktorenhauses orientieren sich am Kalenderjahr 2010. Die vier Themenwelten „Magischer Realismus“ (Frühsommer), „Montibello“ (Sommer), „Corncraft“ (Herbst) und „Opiumhöhle“ (Winter) bilden den jahreszeitlichen Rahmen der Ausstellungen aus Arts, Crafts, Design und Performance.
Das Direktorenhaus
Der Name Direktorenhaus geht zurück auf einen Gebäudetrakt der Staatlichen Münze in Berlin-Mitte, der jahrelang leer stand. Die gut gesicherten Tresoranlagen des Flügels, der 1935 gebaut wurde, waren im 2. Weltkrieg nicht nur Lager für geprägtes Hartgeld, sondern auch für Kunstwerke der Staatlichen Museen zu Berlin zum Schutz vor Bombenangriffen. Heute liegt das Direktorenhaus in der Strasse „Am Krögel 2“ zentral zwischen Alexanderplatz und Nikolaiviertel, direkt am Ufer der Spree mit Blick auf den alten Stadthafen.
Initiatoren
Das Direktorenhaus ist das jüngste Projekt der beiden Galeristen und Illustrative-Gründer Pascal Johanssen und Katja Kleiss. Getragen wird das Haus vom Illustrative e.V., einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Berlin. Das gleichnamige Festival gilt seit 2006 als wichtigstes Forum für zeitgenössische Illustration und Grafik weltweit. Das Festival, das jährlich ca. 30.000 Besucher anzieht, fand mehrmals in Berlin sowie Zürich und Paris statt. Seit 2009 ist die Illustrative Herausgeber des Kunstmagazins „Objects. Journal for Applied Arts”, das die neueren angewandten Künste in Essays, Artikeln und Bilderstrecken untersucht. Das Direktorenhaus ist
die schlüssige Fortsetzung dieser Projekte, welches als fester Anschauungsort für die gesamte Neocraft-Art- versus-Design-Debatte fungieren soll.
Ausstellung Olaf Hajek “Flowerhead”
28.05.2010 bis 20.07.2010
Eröffnung am 28. Mai 2010, 19.00 Uhr
Direktorenhaus Am Krögel 2, 10170 Berlin
Montag bis Samstag täglich von 11:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen finden Sie unter
www.direktorenhaus.com (ab 15. MAI 2010)[/a]
www.illustrative.de
www.objects-journal.com