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von Hartmut Kriege
Veröffentlicht am 26.10.2006 Artikel drucken
Mozart ist eine populäre Figur; damals wie heute werden seine Werke von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Historiker und Autoren suchen und sichten Dokumente, um die Geschichte des großen Musikers mehr und mehr zu vervollständigen und ins rechte Licht zu rücken. Am 27. Oktober ab 19.15 Uhr sendet der Deutschlandfunk (Link zum Stream) in seiner Sendung Dossier einen Beitrag über eine Station im Leben Mozarts, der Aufschluss über dessen letzten Dienstherren gibt.
"Wein, Weiber und d’Nacht haben unsern Fürsten g’macht"
Mozarts letzter Dienstherr: Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld
In der gängigen Mozartliteratur kommt er schlecht weg, Wolfgang Amadés letzter Dienstherr auf dem fürsterzbischöflichen Stuhl von Salzburg.
Aber Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld, der in die Geschichte - und darüber hinaus in die Musikgeschichte – durch den berühmten Fußtritt eingegangen ist, mit dem sein Oberküchenmeister Graf Arco am 10. Mai 1781 Mozart aus den Diensten des Erzbischofs buchstäblich zur Tür hinauskatapultierte, war alles andere als der bornierte, ungebildete, kulturfeindliche und diktatorisch regierende Landesherr.
Graf Colloredo, Salzburgs letzter Fürsterzbischof, gehörte zu den bedeutenden europäischen Fürsten des aufgeklärten Zeitalters. Ein geistlicher und weltlicher Herr, der dem heruntergewirtschafteten Land an der Salzach und seiner marode gewordenen Landeskirche wie kein zweiter Fürst seiner Zeit mit ungeheurer Energie und einschneidenden Maßnahmen wieder auf die Beine half.
Der "Fall Mozart" war nur eine Episode im täglichen Betrieb des fürsterzbischöflichen Hofes; ein Intermezzo, das erst durch die alles erklärende, wie alles vernichtende Mozart-Verherrlichung des vergangenen Jahrhunderts zum entscheidenden Ereignis im Leben des vergöttlichten Musikwunders geworden ist.
Der liberale und weitsichtige Erzbischof hingegen wurde in den Augen der Mozartanbeter zum Ignoranten, der seinen Domorganisten, in Verkennung der Größe Mozarts, daran hinderte, zum überragenden Komponisten und Interpreten seiner eigenen Werke zu werden. Die historischen Fakten legen, trotz dieser anhaltenden Polemik, andere Schlüsse nahe.