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Veröffentlicht am 12.09.2006 Artikel drucken
Zwei deutsche Erstaufführungen und eine Uraufführung neuer Werke des belgischen Komponisten und Filmregisseurs Thierry De Mey bilden einen Schwerpunkt der Jump Cut Special - Woche. Die Frage nach Ausdrucksformen durch Bewegung - sei es in der Musik, im Film, in Installationen oder Performances - stellen für Thierry De Mey (auf dem Bild) immer ein zentrales Thema dar.
Ein besonderes Highlight dieses Schaffens ist seine Komposition "Light Music", die wir als deutsche Erstaufführung hier in Köln präsentieren. Auch sein neuestes Werk, produziert für den TV-Kanal ARTE, wird als Fernseh-Preview und Weltpremiere zu sehen sein.
Der Film "One Flat Thing, reproduced" entstand auf Grundlage eines Bühnenstückes des Choreographen William Forsythe. In der Synthese der unterschiedlichen Herangehensweise beider Künstler entstand ein eigenständiges interdisziplinäres Werk.
Auch der Bildhauer Peter Welz, dessen Installation "architectual device for forsythe movement" den zweiten Schwerpunkt in dieser Woche bildet, arbeitet bereits seit langen Jahren mit Forsythe zusammen. Für Peter Welz ist die Figur, die Bewegung im Raum produziert, Gegenstand seiner Kunst: Die Figur als dynamische Form, die neue Bewegungen generiert.
Somit erleben wir in dieser Woche Arbeiten verschiedener Künstler, die sich einer benachbarten Kunstform nähern mit ihren jeweils eigenen Instrumentarien, um aus dieser Zusammenarbeit ein neues Kunstwerk entstehen zu lassen.
JUMP CUT SPECIAL
Performance - Musik - Film - Installationen - Masterclasses
22. - 29. September 2006
in der SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln
Thierry De Mey (B)
Peter Welz (D)
Jean Geoffroy (F)
SPLASH (D)
Kartenvorverkauf und Informationen:
Empfang der SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7 EG, 50670 Köln
Tel. (0221) 226 2433, (Mo.- Fr. 9 - 18 Uhr): www.sk-kultur.de/videotanz
E-Mail: videotanz@sk-kultur.de
PROGRAMMÜBERSICHT
JUMP CUT SPECIAL - Freitag 22.09. bis Freitag 29.09.2006
Eröffnung 22. September um 18 Uhr (Eintritt frei!)
Installationen im 2.UG (täglich von 18 - 21 Uhr, Eintritt frei!)
"architectual device for forsythe movement" (2006) 1’ Loop, Installation von Peter Welz, "Barbe Bleue" (2006) 20’ / Installation von Thierry De Mey (dt. Erstaufführung)
Freitag. 22. September um 20 Uhr
Samstag, 23. September um 19 und 21 Uhr (Eintritt: 15 / 10 EUR)
"Music for Pieces of Wood" (1973) 6’ Steve Reich /
"Double Music" (1946) 6’ Lou Harrison, John Cage /
"Hocket for Henry Cowell" (1974) 5’ James Tenney
mit SPLASH LandesJugendPerkussionsEnsemle NRW unter der Leitung von Stephan Froleyks & Ralf Holtschneider
"Love Sonnets" (1994) Film, Ausschnitt 6’, Regie: Thierry De Mey, Choreographie: Michèle - Anne De Mey, Musik: Domenico Scarlatti
"Chaconne" Partita in d-Moll (BWV 1004) 14’ Johann Sebastian Bach, mit Jean Geoffroy, Marimba
"Musique de tables" (1987) 8’ Komposition: Thierry De Mey, gespielt von SPLASH
"Dom Svobode" (2000) Film 6’ Musik & Regie: Thierry De Mey, Choreographie: Iztok Kovac
"LIGHT MUSIC" (2004) lnteraktives PerformanceInstallationsKonzert 20’
(Deutsche Erstaufführung)
Konzept & Komposition: Thierry De Mey, Interpretation: Jean Geoffroy, Konzeption der interaktiven Systeme: Christophe Lebreton (Grame)
Samstag, 23. September 10.30 - 15 Uhr
Masterclasses für Jugendliche und Studenten mit Thierry De Mey, Jean Geoffroy und Christophe Lebreton
Mittwoch, 27.09. 19 Uhr Studio (Eintritt frei)
One Flat Thing, reproduced, Filmuraufführung (2006, 26’)
Choreographie: William Forsythe /Musik: Thom Willems
TV-Regie: Thierry De Mey
ARTE France / MK2 music, TV-Preview, mit freundlicher Unterstützung des Europäischen Kulturkanals ARTE
DIE WERKE:
Light Music "Light Music", ein Werk für einen Dirigenten/Solisten, Projektion und interaktive Systeme ("Movement Detector"), wurde im März 2004 bei der Biennale Musiques en Scène in Lyon uraufgeführt.
Die Grenzlinie zwischen Bewegungen, die Klänge produzieren (zum Beispiel beim Schlagzeug-Spiel) und den Tanz-Bewegungen aufzuheben - diese Aufgabe überträgt De Mey in "Light Music" einem Performer, der seinem Publikum mit "bloßen Händen" gegenübertritt. Der Präsenz der Hände wird durch Licht Form gegeben, bleibende Eindrücke - kurz und flüchtig, empfindsam, perkussiv - werden auf die Leinwand projiziert.
In "Light - Music" verknüpft Thierry De Mey seine künstlerischen Professionen, erweitert sie mit multimedialen Mitteln und kreiert ein faszinierendes interaktives Performance-Konzert auf höchstem künstlerischen und technischen Niveau.
"Barbe Bleue" - Installation
55 Männer unterschiedlichen Alters, darunter zahlreiche Persönlichkeiten der Brüsseler Kunst- und Kulturszene treten in schneller Folge vor die Kamera und erzählen jeder jeweils mit einem Satz oder einem Wort, die Geschichte von "Blaubart" in der Perrault’schen Fassung. De Mey nähert sich hierbei dem Text durch den spielerischen Umgang mit dem Filmschnitt.
So geht eine seltsame Kraft von dieser neuen Lesart aus, die auf unterschiedlichen Akzenten, auf verschiedenartigen Intonationen und hörbaren kulturellen Hintergründen sowie auf der persönlichen Betroffenheit der jeweiligen Erzähler beruht.
Dem Thema entsprechend befindet sich die Installation an einem der "verborgensten Orte" des Gebäudes Mediapark 7
"architectural device for forsythe movement" - Installation
Die Bodeninstallation von Peter Welz geht aus einer Zusammenarbeit mit dem Choreographen William Forsythe hervor.
Die Formgestalt des Architekturmodells folgt einer Bewegungssequenz aus einem Video, das Forsythes tänzerische Umsetzung eines Textes von Samuel Beckett dokumentiert. Der Untertitel right hand movement verweist auf das graphische Muster der rechten Hand im Raum, aufgezeichnet mit Hilfe einer winzigen Fingerkamera an Forsythes Hand während der Bewegung.
Die Projektion auf die gebogene Wand des Architekturmodells zeigt Forsythes Bewegungen aus der Kameraperspektive von der Seite. Diese Installation wurde erstmals im Sommer 2006 bei der Ausstellung Anstoss Berlin - Kunst macht Welt gezeigt.
"One Flat Thing, reproduced" - Film
Die Choreographie "One Flat Thing, reproduced" von William Forsythe, Premiere 2000 in Frankfurt, besticht durch überraschendes und dynamisches Wechselspiel der vierzehn Tänzer. Zwanzig Tische werden auf die Bühne geschleudert, die zur Oberfläche und zum Handlungshorizont der Tänzer werden.
Der im Studio unter der Regie von Thierry De Mey gedrehte Film basiert auf dem ursprünglichen Bühnenprojekt, wird jedoch in der filmischen Neuinszenierung zu einem eigenständigen bildintensiven Werk. Forsythes vollendete Choreographiesprache setzt De Mey in eine außergewöhnliche Kombination von Raum, Bewegung und Perspektive um. Mit dem Wechsel von Festeinstellungen, Kamerafahrten, Standbildern und ungewöhnlichen Winkeln erhält sein Film die Dynamik eines Actionsfilms.
DIE KÜNSTLER:
Thierry De Mey
In der internationalen Tanz-Film- und Medienkunst-Szene ist der belgische Komponist und Filmregisseur eine feste Größe. Mit seinen rhythmischen Kompositionen belebt er darüber hinaus die oft hermetisch und akademisch wirkende Welt der Neuen Musik.
Insbesondere mit dem Zentrum für Zeitgenössische Musik und interaktive Medien GRAME und dessen Festival BIENNALE Musiques en Scène, Lyon, arbeitet er eng zusammen.
Einige der wichtigsten ArbeitspartnerInnen waren und sind hierbei die Choreographen Anne Teresa De Keersmaeker, Michèle - Anne De Mey und Wim Vandekeybus sowie die Musiker des Ictus Ensemble.
Seit 2005 gehört der mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen prämierte Thierry De Mey zum neuen Leitungsteam des renommierten Produktionszentrums Charleroi Danses in Brüssel und Charleroi.
Peter Welz
Der in Berlin lebende Künstler studierte von 1993 - 1998 am National College of Art and Design in Dublin, an der Cooper Union in New York und an der Chelsea School of Art in London.
Im Winter 2003 / 2004 war er mit zwei Arbeiten auf der tanzmedial Ausstellung in der SK Stiftung Kultur präsent. Neben renommierten Stipendien und Ausstellungen erhielt er 2005 den "Kaiserring Förderpreis" des Mönchehaus Museum Für Moderne Kunst in Goslar. Parallel zu seiner jetzigen Arbeit in Köln präsentiert der Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, Werke des Künstlers. Daneben ist Peter Welz ab Herbst 2006 im Louvre in Paris mit einer großen Ausstellung mit dem Titel "Retranslation | Final Unfinished Portrait (Francis Bacon)" vertreten.
Jean Geoffroy
vielfach ausgezeichneter französischer Schlagzeuger; einer der führenden Interpreten für zeitgenössische Musik, aber auch z. B. für Werke von Bach. Bei "Light Music" wird er darüber hinaus vom "Dirigenten ohne Orchester" zum tanzenden Solisten.
SPLASH
das neu gegründete Perkussionsensemble des Landesmusikrates NRW bietet jungen Schlagzeugern die Möglichkeit, ein Programm zwischen Neuer Musik, Improvisierter Musik und Weltmusik zu erarbeiten und unter professionellen Bedingungen aufzuführen.
SPLASH präsentierte sich erstmals im April 2006 und wird speziell für Jump Cut Special Thierry De Mey’s "Klassiker" Musique de tables einstudieren. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Ralf Holtschneider und Stephan Froleyks.