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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Martin Maruschka

Veröffentlicht am 13.07.2011     Artikel drucken

Impulse-Preis 2011 für Institutet und Nya Rampen

Impulse-Preis 2011 für Institutet und Nya RampenQuelle: festivalimpulse.de

Preis des Goethe-Instituts für She She Pop und ihre Väter sowie Andros Zins-Browne / Dietmar N. Schmidt-Preis für Anna Mendelssohn


Mit der Preisverleihung in der Kunsthalle Düsseldorf geht am Sonntag, 10. Juli 2011, die Jubiläumsausgabe des Theater Festival Impulse des NRW KULTURsekretariats zu Ende. Das Festival fand nach 20 Jahren zum ersten Mal im Sommer statt. Insgesamt über 10.000 Zuschauer besuchten in zwölf Tagen rund 70 Veranstaltungen des wichtigsten Theatertreffens der Freien Szene in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr, darunter rund 1.100 Gäste im Rahmen der ExtraSchicht am 9. Juli 2011 im Mülheimer Ringlokschuppen.

Im dritten Jahr unter der Künstlerischen Leitung von Matthias von Hartz und Tom Stromberg konnten so die Zuschauerzahlen der letzten beiden Festivals noch einmal übertroffen werden. Stromberg und von Hartz, die in diesem Jahr zum letzten Mal für das Programm verantwortlich waren, zeigen sich zufrieden: „In diesem Jahr war es eine besonders schwere Entscheidung für die Jury, die Preisträger zu bestimmen, was noch einmal die Qualität und Bandbreite der Produktionen zeigt. Wir sind uns aber sicher, dass wir mit „Conte d’Amour“ die herausragendste freie Inszenierung dieses Jahres gefunden haben. Wir hatten zwölf Tage mit spannenden, auch kontroversen Aufführungen, zahlreiche waren ausverkauft. Und die Stimmung während des Festivals war der Jahreszeit entsprechend noch entspannter, aber auch neugierig und wach. Durch den Wechsel in den Sommer konnten wir Highlights zeigen wie Polleschs ,Der perfekte Tag’ oder uns an der ExtraSchicht beteiligen, und so noch einmal völlig andere, neue Zuschauer gewinnen. Ein toller Abschluss!“

Dr. Christian Esch, Direktor des veranstaltenden NRW KULTURsekretariats, ergänzt: „Mit der erfolgreichen Ära Stromberg/von Hartz haben die Impulse einen bedeutenden Aufschwung genommen, mit dem das Festival für die kommenden Ausgaben gut gerüstet ist. Die Entscheidung, die Impulse in den Sommer zu verlegen, hat sich schon jetzt als die richtige Weichenstellung für stimmungsvolle und aufregende Impulse der Zukunft bewährt.“


Preisträger 2011: Institutet & Nya Rampen, Andros Zins-Browne und She She Pop sowie Anna Mendelssohn

Als beste Off-Theater-Produktion wurde „Conte d’Amour“ der beiden skandinavischen Gruppen Institutet und Nya Rampen mit dem Regisseur Markus Öhrn ausgezeichnet, die in Berlin arbeiten. Damit wird „Conte d’Amour“ im nächsten Jahr im Rahmen des Berliner Theatertreffens und der Wiener Festwochen gezeigt sowie zum ersten Mal während des polnischen Festivals Krakowskie Reminiscencje Teatralne in Zusammenarbeit mit Tam’Tam, der Kultursaison Polen-NRW 2011-2012. Der Preis des Goethe-Instituts ging in diesem Jahr an zwei Gruppen: She She Pop und ihre Väter mit „Testament“ und Andros Zins-Browne mit „The Host“. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts gehen beide Produktionen im nächsten Jahr auf internationale Gastspieltour. Der mit 1.500 Euro dotierte Dietmar N. Schmidt-Preis, benannt nach dem ehemaligen Leiter der Impulse, für eine herausragende künstlerische Einzelleistung ging an Anna Mendelssohn für ihr Solo „Cry Me A River“.

Der Jury gehörten in diesem Jahr die Theater- und Filmschauspielerin Caroline Peters, der Leiter des Kaaitheater Brüssel, Guy Gypens, sowie Matthew Fenton an, Direktor des Live beim LICA, einer interdisziplinären Institution für Künste an der Universität Lancaster. Ebenfalls in der Jury vertreten waren der Direktor des NRW KULTURsekretariats, Dr. Christian Esch, und Martin Berg für das Goethe-Institut sowie die beiden künstlerischen Leiter Matthias von Hartz und Tom Stromberg.


Internationalität

Neben der Zuschauerzahl stieg auch die Zahl an internationalen Gästen und Fachleuten, die nach NRW kamen, um sich die neuesten Entwicklungen im deutschsprachigen Theater anzusehen. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut waren am ersten Festivalwochenende über 50 internationale Kuratoren, Festivalmacher und Journalisten in NRW zu Gast. Erste Erfolge dieser internationalen Vernetzung zeigten sich bereits: Zahlreiche Produktionen erhielten noch während des Festivals Einladungen zu internationalen Festivals und Gastspielen.

Nach 2007 und 2009 war dies das dritte Festival unter der künstlerischen Leitung von Matthias von Hartz und Tom Stromberg. Sie hatten 2006 das Festival übernommen und konnten bereits im ersten Jahr die Zuschauerzahlen verdoppeln. Mit zahlreichen Neuerungen wie den Impulse-Marathons, bei denen die Zu-schauer mehrere Vorstellungen an einem Tag sehen können und mit Bus von Spielstätte zu Spielstätte gefahren werden, oder der Einladung von Special Guests außerhalb des Wettbewerbs, konnten sie neue Zuschauer für das Festival gewinnen und die überregionale Bedeutung des Festivals herausstellen.


Aus den Jurybegründungen: Impulse-Preis 2011 für Institutet und Nya Rampen – „Conte d’Amour“

Die beiden Gruppen Institutet (Schweden) und Nya Rampen (Finnland) zeigen zusammen mit dem Regisseur Markus Öhrn das große Szenario einer Familie, alltägliche Abhängigkeiten, aber auch körperliche und seelische Grausamkeiten, bis hin zur Folter. Der Zuschauer wird in verschiedenen Geschichten bis nach Afrika mitgenommen, aber durch den Blick der Kamera kann er immer wieder Distanz zum Bühnengeschehen herstellen, die auch nötig ist, um nicht dem Schrecken zu erliegen. Auf der Bühne stehen vier großartige Darsteller, die sich zwar hinter einer Leinwand verstecken, aber trotzdem eine unglaubliche Präsenz zeigen. Zum schönen darstellerischen Überfluss sind sie nicht nur Tiere, Opfer und Bestien, sondern auch noch großartige Musiker und Sänger. Dem bildenden Künstler Markus Öhrn, der aus der Videokunst kommt, ist mit seiner ersten Regiearbeit ein bedrückendes und intensives Epos gelungen. (...)


Goethe-Preis für Andros Zins-Browne und She She Pop und ihre Väter
Anros Zins-Browne – „The Host“:


Wenn die drei Cowboys in „The Host“ die Bühne betreten, machen sie das, was alle Cowboys zu allen Zeiten gemacht haben: Sie packen an, räumen auf und ringen der widerspenstigen Natur ein Stück Boden ab, auf dem dann die Zivilisation als Westerntanz Einzug hält. Bis die Natur in Form der gigantischen, aufblasbaren Luftkissenlandschaft des bildenden Künstlers Stefan Demming die geschaffene Ordnung wieder aus dem Gleichgewicht bringt. Das ist nicht nur ein komischer Seitenhieb auf männliche Selbstbilder. Der Choreograf Andros Zins-Browne schafft mit „The Host“ eine Bühneninstallation voller Slapstick und stoisch ertragener Anstrengung, in der der Cowboy zum Sisyphos wird und ganz ernst die Frage nach der Beherrschbarkeit der Welt mitklingt. Andros Zins-Browne findet hierfür eine klare ästhetische Umsetzung, die sich dennoch jeder eindeutigen Interpretation verweigert. Selten wirken Elemente des Tanzes und der Bildenden Kunst so notwendig zusammen und entwickeln eine eigene Bildsprache. (...)


She She Pop und ihre Väter – „Testament“:

So konsequent wie kaum eine andere Gruppe in der deutschen Theaterszene entwickelt das Kollektiv She She Pop seit 13 Jahren eine eigene Handschrift. Immer wieder wurden
dabei die Grenzen zwischen Darstellern und Zuschauern und zwischen Realität und Fiktion auf überraschende und humorvolle Weise ausgelotet. (...) Mit „Testament“ ist ihnen ein wunderbarer Abend gelungen, der in mehrerlei Hinsicht einen Schritt weiter geht. Das erste Mal bildet ein Dramentext einen Bezugspunkt für das Stück. Das erste Mal sind außer Ihnen selbst andere Darsteller auf der Bühne. Konsequent wie sie denken und arbeiten, konnten auch diese anderen Darsteller nur Teile ihrer Biografie sein. Die Arbeit mit der eigenen Realität als Theatermacherinnen einerseits und als Töchter ihrer Väter andererseits ist dokumentarisches und autobiografisches Theater gleichzeitig. (...) „Testament“ ist einer der berührendsten Theaterabende der letzten Jahre, der seit seiner Premiere so manches Telefonat mit manchem Vater initiiert hat.


Dietmar N. Schmidt-Preis für Anna Mendelssohn – „Cry Me A River“:

Wie rette ich auf jeden Fall die sich zerstörende Welt und finde nebenbei baldmöglichst den richtigen Vater meiner erhofften Kinder? Was, wenn dabei jede Gewissheit banal scheint, Hoffnung naiv wirkt und Engagement wie allfällige Gewissenspflege aussieht? Und wie kann es weitergehen, wenn selbst Emotionen zweideutig werden in dieser Spannung von wahr und falsch, von Politisch und Privat, von Nordpoltraum und Familienwunsch? Tränen sind dann womöglich nur noch Zitate von Gefühlen, salzige Flüssigkeit Marke Eigenbau im global erwärmten Meer. In ihrem virtuosen Monolog trifft Anna Mendelssohn jederzeit den Ton, spielt eindringlich und leichthändig auf der Klaviatur von eigenen und geborgten Empfindungen. Präzise und wendig bewegt sie sich in einer mehrstimmigen Partitur. Tonlagen, Sprechhaltungen, Sprachen verschränken sich immer neu und immer originell, dazu kommen Toneinspielungen und Tanzversuche, die zu Detektoren von kleinen Lügen werden, aber auch zu Botenstoffen herangezogener Gefühle. So entsteht ein vielgestaltiges Gewebe der Bedeutungen, überlegt und berührend zugleich dank der reichen schauspielerischen Möglichkeiten von Anna Mendelssohn.


Weitere Informationen finden Sie unter
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