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von Andreas Stucken
Veröffentlicht am 04.05.2010 Artikel drucken
Himmel sehen – der Titel der Ausstellung im Rahmen der Ruhr 2010 in Essen / Raum 3 spiegelt die wichtigsten Sujets der Künstlerinnen Karen Irmer und Angela Stauber wieder: Es geht um das schlichte und doch stets polyperspektivische Sehen und Wahrnehmen, einschließlich dem verborgenen Dahinter.
Der Blick in den Himmel, der Blick in diese scheinbare Leere ist auf den zweiten Blick ein trügerischer. Denn der Blick auf ein Motiv wie den Himmel verspricht zunächst Weite, Freiheit und Offenheit und kann sich doch als Illusion, als eine Verstellung eines tatsächlichen freien Blickes entpuppen.
Diese verschiedenen Blicke sichtbar zu machen, den einen mittels des anderen, das Trügerische, die Illusion und eben den im Verborgen liegenden Blick sichtbar zu machen – dies ist Thema, Motiv und künstlerische Auseinandersetzung von Karen Irmer und Angela Stauber.
Beide Künstlerinnen schaffen subtile, hintergründige Bilder, ob im Medium Fotografie oder Malerei. Karen Irmer und Angela Stauber erforschen und reflektieren das Thema des Bildes in vielfacher Weise und lassen sich mit ihrer jeweiligen künstlerischen Auseinandersetzung in den post-konzeptionellen Diskurs über praktische Methoden in der zeitgenössischen Kunst verorten.
Karen Irmers Werke, die im Raum 3 in Essen zu sehen sind, erwecken eine besondere Ambivalenz, die einer trügerischen Vertrautheit. Karen Irmer geht es speziell um die Transformation des bereits Vorhandenen und um das Herauskristallisieren von atmosphärischen Möglichkeiten, die an einem spezifischen Ort existieren. Mit experimentellen fotografischen Methoden schafft sie es, intensive Augenblicke des Wahrnehmens, Erkennens und des Wiederauslöschens eines Blickes oder Gedankens herzustellen.
Ihre Fotografien besitzen durch die in ihnen geschaffene Transzendenz einer gegenständlichen Welt eine malerische Qualität. Nach einer Weile und einem längeren Betrachten kann man in das Bildhafte der Fotografie in eine Sphäre ein- oder abtauchen, die dem eines Traumes nicht unähnlich ist. Im Bereich des Traumes ist die Unberechenbarkeit des nächsten Augenblicks ein Merkmal und die vermeintliche Sicherheit eines Ortes, eines lokalen Punktes kann zu einem beunruhigenden oder auch unheilvollen Szenarium umkippen – dies geschieht auch in den Fotografien Karen Irmers.
Angela Stauber zeigt eine Reihe von malerischen Werken mit dem außergewöhnlichen Motiv Zustände einer Tür. Unterschiedliche Lichtsituationen ihrer Türen des Münchner Ateliers fangen im Laufe des Tages das einfallende Licht auf. Auf den grau lackierten, in Kassetten eingeteilten Altbautüren spiegelt sich das Licht von dem gegenüberliegenden Fenster, rhythmisch zur Jahres- und Tageszeit. Je nach der Intensität des einfallenden Lichtes und dem Wetter ergeben sich unterschiedliche Stimmungen, Atmosphären, die Angela Stauber auf der Leinwand mit ihrer Malerei festhält. Das Motiv der Tür mit dem wechselnden Licht zeigt zum einen die Tür und die Lichtspiegelung als Oberfläche.
Zum anderen wird durch die Helligkeit der Lichtspieglung eine Tiefe des Raumes illusioniert. Beide Blickmöglichkeiten und beide Bildräume werden im gemalten Bild sichtbar und existent. Die blaue Farbe des Himmels ist auf der Oberfläche der Tür zu erkennen und fast könnte man meinen, einen Blick in eine tatsächliche Weite zu bekommen. Angela Staubers Werke beinhalten und verbinden einen Widerspruch. Es geht Angela Stauber um die Durchdringung von optischen Phänomenen und um die Auflösung von Grenzen. Das Sichtbarmachen beider Parameter und das Aufzeigen ihrer Simultanität und der Illusion sind ihr Fokus. Das zeitlich Begrenzte oder Vergängliche, wie Licht, das in einen Raum auf Türen fällt, schärft das Wahrnehmungsvermögen des Rezipienten beim Betrachten der Malerei.
Karen Irmer studierte an der Akademie der bildenden Künste München und schloss 2007 mit dem Diplom, für das sie den Debütantenpreis der Akademie erhielt ab. 2005 war sie Stipendiatin des Else-Heiliger-Fonds der Konrad Adenauer-Stiftung. Auslandsstipendien führten sie neben den europäischen Ländern auch nach Japan und Süd-Korea. Sie lebt und arbeitet in Augsburg und Berlin.
Angela Stauber studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München und schloss 2005 mit dem Diplom als Meisterschülerin bei Sean Scully ab. Auslandsstipendien führten sie in die USA, nach Rumänien und Großbritannien. Sie lebt und arbeitet in München und Berlin.
Ort:Raum 3, Kunstwerkerstr. 98, 45136 Essen
Dauer: 09.05. - 30.05.2010
Eröffnung: Sonntag, den 9. Mai von 11-16 Uhr
Öffnungszeiten: Di - Sa 15 - 17 Uhr
Kuratiert von Andreas Stucken / Zweigstelle Berlin
Weiter Informationen erhalten Sie unter
www.zweigstelle-berlin.de
www.stucken.com