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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Birgit Gablowski

Veröffentlicht am 20.03.2009     Artikel drucken

Helden der Bühne und Schönheit der Nacht Hiroshiges Potemkinsche Dörfer

Die Hundert beühmten Ansichten von Edo - Erfolgsgeschichte einer Landschaftsserie

Helden der Bühne und Schönheit der Nacht Hiroshiges Potemkinsche DörferDie politische und zeithistorische Dimension von Hiroshiges „Hundert Ansichten von Edo“ wurde bis heute nicht erfasst, meinte gestern Abend Professor Melanie Trede, Japanologie-Expertin und Professorin der Universität Heidelberg in ihrem Vortrag über
Hiroshiges „Hundert berühmte Ansichten von Edo“ im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

Die 1868 in Tokyo umbenannte Stadt Edo war bereits Motiv zahlreicher Malereien, doch so viele Ansichten hatte es bislang noch nicht gegeben. In den Jahren 1856 – 1858 entstanden 120 Einzelblätter und damit eine umfassende Serie zum Landschaftsgenre der Bilder der fließenden Welt, in Japan ukiyo-e genannt.

Während die meisten als ukiyo-e bezeichneten Holzschnitte vor allem Schauspieler, Kurtisanen und urbanes Amüsement darstellten, entwickeln sich Landschaften als eigenes Bildsujet ab 1760.

Hiroshige nimmt die Landschaftsdarstellung auf, entwickelt jedoch eigene Kompositionsprinzipien, die bei den Einheimischen so stark nachgefragt werden, dass seine Holzschnitte zwischen 10.000 bis 15.000 Mal gedruckt werden. Dabei benutzt Hiroshige zum einen die Technik des „bokashi“.

Dabei wird durch das Verwischen deraufgetragenen dunklen Farbe hin zu einem hellen Farbton eine Gradierung der Farbschattierungen erzeugt, die Tiefe, Natürlichkeit und Lebendigkeit der dargestellten Bildfläche bewirkt. Diese Technik trägt zu einer malerischen Qualität der Holzschnitte bei, die der sonst oft nachgesagten Flächigkeit japanischer Bilder widerspricht.

Neben den subtil angewendeten Drucktechniken und der Farbkomposition entwickelt Hiroshige in seinen „Hundert Ansichten“ drei Bildkompositionen. Bei der Vogelperspektive fällt der Blick von oben auf die Landschaft und erzeugt dadurch Raum und Tiefe. Die westliche Linearperspektive wird von dem Künstler vor allem bei Straßen- und Häuserszenen eingesetzt und läuft meist auf einen Fluchtpunkt zu.

Das dritte Prinzip beruht darauf, dass ein Motiv im Vordergrund nah an den Betrachter herangerückt wird und durch die Bildränder angeschnitten wird. Die eigentliche Szene spielt sich im Hintergrund ab. Dabei betont Hiroshige den Gegensatz zwischen großem Gegenstand im Vordergrund und kleiner Szene im Hintergrund so stark wie es im 19. Jahrhundert in Europa nicht denkbar gewesen wäre. Durch die angebliche Zufälligkeit des Bildausschnitts wird der Betrachter in das Bildgeschehen hineingezogen. Das Heranzoomen von Bildmotiven war jedoch auch in den japanischen Vorläufern unüblich.

Hiroshige präsentiert in seinen „Hundert Ansichten“ ein heiles und unversehrtes Edo, während von der menschlichen Tragödie, einem Erdbeben 1855 in Edo mit vielen tausend Opfern, nichts zu sehen ist. Somit ist davon auszugehen, dass Hiroshige eine konservative Haltung einnahm, die keine Opposition zum Shogunat darstellte.

Dies unterscheidet ihn von anderen Künstlern, die allein durch die naturgetreue Darstellung des zerstörten Edo vorgeladen und bestraft wurden. Grund war, dass Naturkatastrophen als Zeichen für einen schlechten Menschen oder eine schlechte Regierung gedeutet
wurden. Mit der Deutung der Ansichtskartenatmosphäre auf Hiroshiges „Hundert Ansichten“ entsteht somit eine zeithistorische und politische Dimension, die bis heute unerwähnt blieb.

Hiroshige selbst wollte Bildlandschaften so abzeichnen, wie man sie mit eigenen Augen sehen kann. Durch seine Kompositionstechniken entstehen sehr reale Darstellungen, die jedoch gleichzeitig sehr farbig, sehr imaginär und im Vergleich zur Realität geschönt sind.

D.h. es handelt sich hier zwar um eine naturalistisch anmutende Komposition, jedoch mit einer vorgespielten und ausschließlich positiv dargestellten Realität. Dafür spricht auch, dass von den insgesamt 118 Blättern die meisten die schönen Jahreszeiten Frühjahr und Sommer und die wenigsten die tristeren Jahreszeiten Herbst und Winter beleuchten (42 Ansichten Frühling, 30 Sommer, 26 Herbst, 20 Winter).

Weitere Führungen zur Ausstellung „Helden der Bühne und Schönheiten der Nacht“ sind am Ostersonntag, 12. April um 15 Uhr mit anschließendem Taiko-Trommeln und am 29. April um 18 Uhr mit anschließendem Konzert – Musik aus Showa und Anime. Finissage ist am 10. Mai um 15.30 Uhr.


Weitere Informationen finden Sie unter
www.angewandtekunst-frankfurt.de

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