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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Holger Carstensen

Veröffentlicht am 08.01.2007     Artikel drucken

Hans Wrage : Hambruger Aquarelle aus sechs Jahrzehnten

Hans Wrage: Aquarelle aus sechs Jahrzehnten. 28. Januar – 10. März 2007 in der galerie carstensen, Hamburg

Das älteste Aquarell dieser Ausstellung ist sechzig Jahre alt, das jüngste sechs Monate. 25 ausgewählte Aquarelle aus sechzig Jahren führen uns vom ersten Bild bis in die Gegenwart und zeigen uns einen bis heute vitalen Hamburger Künstler.

Die frühen Nachkriegsaquarelle entstehen noch unter dem starken Eindruck von Wrages Lehrern aus der Kriegs- und Vorkriegszeit. Die künstlerische Auffassung von Friedrich Schaper (1869-1965), auch Rolf Böhlig (1904-1979) und Erich Wessel (1906-1985), zwei heute weitgehend vergessene Hamburger Künstler, prägen die frühen Arbeiten von Hans Wrage dabei besonders stark.

Künstlerisch sehr wohl in Entwicklung und Verfeinerung begriffen ist Hans Wrage aber kein grosser Erneuerer der Malerei oder gar der Begründer einer eigenen Stilrichtung. Vielmehr hat er die besten Traditionen der Hamburger Freilichtmalerei in seiner Art zu sehen und in seiner Art zu malen kultiviert und bewahrt.

Bei Hans Wrage finden handwerkliches Können und geübter Blick für das Motiv im Alltäglichen und Unscheinbaren ebenso zusammen wie ein sicheres Gespür für das impressionistische Zusammenwirken von Form und Farbe.

Seine Ausbildung zum Gebrauchswerber und seine Arbeit als Lehrer für Gestaltung an der Berufsschule für Wirtschaftswerbung haben sicher massgeblich seinen unprätentiösen Stil und seine Lust am bühnengleichen Aufbau seiner Aquarelle gefördert.

Thematisch entfaltet sich über die Jahre sein eigenständiges Interesse an Hamburger Hafen- und Stadtszenen, die nicht im Glamour der wachsenden Metropole liegen. Es dominieren Eindrücke aus dem Alltag und den Wohngegenden der arbeitenden Menschen, aus Altona und Eimsbüttel, wo Wrage nach dem Kriegsende eine im städtischen Aufbruch befindliche Szenerie aus seinem Fenster heraus portraitiert.

Der Altonaer Fischmarkt und St.Pauli sind neben dem Hafen die bevorzugten Motive des vor der Natur malenden Künstlers. Auch die vom expandierenden Hafen überbauten und in Ihrem Charakter immer wieder völlig veränderten Flächen finden sich in seinen Bildern. Da, wo einst Elbmarsch war, ist heute Hafen- und Containerindustrie. Dort, wo einst das industrielle Leben des Hamburger Hafens pulsierte, ist jetzt die neue Hafencity - noch ganz ohne kulturelle und geschichtliche Patina.

Mir gefällt, wie unaufgeregt und bar jeder Effekthascherei Hans Wrage seinen Themen nachgeht und wie unspektakulär seine Bilder sind. In deren Selbstverständlichkeit und Ruhe ist sehr viel Persönliches von Hans Wrage, ist Besonderes aus der städtebaulichen Hamburger Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg und ist vor allem Können im Sehen und Malen.

In seinen seltenen figurativen Bildern zeigt sich Hans Wrage als ein aufmerksamer Beobachter von Menschen und ihren Bewegungen, beispielsweise wenn er Szenen vom Eimsbüttler Wochenmarkt zurückhaltend skizziert. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm auch, eine Strandszene beim Drachen steigen lassen auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Bilder von Hans Wrage begleiten mich schon lange. In meiner privaten Sammlung befinden sich auch zahlreiche seiner Aquarelle. Mich fasziniert, dass in seinen Bildern die realen Ansichten unserer Stadt aus meiner Kindheit und Jugendzeit wieder auftreten – und dass diese authentischen Ansichten nicht zu süsslichen Hamburgensien verniedlicht sind. Selbst die dänischen Landschaften rund um den Ringköbing Fjord, eine für Hamburger Familien in den 60er und 70er Jahren besonders beliebte Urlaubsregion, teilen meine Kindheitser-innerungen mit seinen Bildern.

Deshalb freue ich mich sehr, dass ich den Hamburger Künstler von Rang und feinen Menschen Hans Wrage persönlich kennen gelernt habe und mit ihm und seiner Frau Jutta Wrage dieser Ausstellung mit Aquarellen und seltenen Zeichnungen aus sechs Jahrzehnten realisieren konnte.

Dr. Olaf Matthes vom Museum für Bergedorf und die Vierlanden danke ich für seine freundliche Unterstützung und seinen Beitrag zur Eröffnung dieser Ausstellung.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Dr. Olaf Matthes und Hans Wrage. Zu beziehen über die galerie carstensen in Hamburg.

Weitere Informationen www.galerie-carstensen.de



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