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von Hans Gercke
Veröffentlicht am 04.08.2005 Artikel drucken
Götz Diergarten, geb.1972 in Mannheim, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher. Auf den Lehrer verweist Diergartens Interesse an Architekturmotiven und deren Typologie.
Umfangreiche Bildfolgen werden mit wissenschaftlicher Akribie zusammengetragen, wobei sowohl ästhetische wie sozio-kulturelle Aspekte Gegenstand der Recherche sind. Formal wie inhaltlich relevante Spannungsverhältnisse zwischen Gleichförmigkeit und Verschiedenheit, aber auch zwischen Einzelbild und Serie, Detail und Totale sowie zwischen Abstraktion und Gegenstandsbezug bestimmen das Spektrum.
Schon bei den frühen Gebäudebeschriftungen entsteht für den Betrachter ein Spannungsfeld zwischen Form und Inhalt, zwischen konstruktiver Konkretion und inhaltlicher Assoziation. Die folgenden Fassaden-Serien lesen sich, ebenso wie die Reihungen nivellierter Hotelpaläste und genormter Ferienhäuser an französischen, belgischen und englischen Stränden, wie Variationsreihen abstrakter Kunst.
Bezüge zu Minimal Art und Farbfeldmalerei sind unverkennbar, doch bleiben die Motive ersichtlich. Anders als bei den Bechers sind sie von entwaffnender Banalität. Erst in ihrer Lösung aus dem Alltagskontext gewinnen sie eine ästhetische Dimension.
Im Gegensatz zu den Bechers bedient sich Diergarten der Farbfotografie, doch wirken seine Arbeiten gleichwohl verhalten, fast monochrom. Umso auffälliger sind im eher melancholischen Vanitas-Kontext individuelle Farbtupfer, die etwa dort zur Geltung kommen, wo es offensichtlich eine Lücke im beinahe perfekten Reglement einer tristen Bauordnung gab: Die stereotypen Häuser am Strand von Gouville tragen kunterbunte Dächer – offenbar, weil man vergessen hat, von Amts wegen auch die Farbe der Dächer festzulegen.
Götz Diergarten - Fotobilder, 19.06. - 28.08.2005, Heidelberger Kunstverein
www.hdkv.de
www.bernhardknaus-art.de