ArtikelübersichtArtikel verfassen
von Olga Flatz
Veröffentlicht am 22.10.2005 Artikel drucken
Zur Ausstellung im Feldkircher Palais Liechtenstein erscheint die Monographie von Hugo Ender und Willibald Feinig "Auf schwankendem Boden. Geschichte der Galerie Haemmerle in Götzis, Vorarlberg, 1962 bis 1993" bei Quintessence.
Vorarlberger Kunst-Drama vor und nach 1968
Eine umfassende Ausstellung im Palais Liechtenstein (www.palais-liechtenstein.at) in Feldkirch dokumentiert mittels Arbeiten von 58 der Ausstellenden – meist aus Privatbesitz - den Anspruch der ersten privaten Galerie Vorarlbergs, ihre - exemplarischen - Schwierigkeiten und den Dialog um Kunst, der in ihr drei Jahrzehnte hindurch geführt wurde.
Die Monographie „Auf schwankendem Boden“ initiiert von Hugo Ender, gestaltet von Dalpra und Partner, geschrieben von Willibald Feinig (‚Vernähte Zeit’, ‚Vergessener Gesandter’), ist mehr als die Geschichte einer Galerie mitten im Vorarlberger Rheintal in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.
Weder Beweihräucherung noch Mainstream-Diskurs, geht der großzügig illustrierte Band den Linien des Umbruchs nach, ohne den es die gesellschaftliche und künstlerische Landschaft der Gegenwart nicht gäbe. Er will vor allem den Künstlern gerecht werden (jeweils mindestens eine Doppelseite ist jedem von ihnen gewidmet). Zahlreiche Beteiligte kommen zu Wort.
Mekka der Gegenständlichkeit
Götzis, Juli 1962: Der blutjunge Ewald Hämmerle, eigentlich Altwarenhändler, macht eine Privatgalerie auf, in einer kleinen Villa an der Hauptstraße, umgestaltet von Heinz, Rudolf und Siegfried Wäger. Künstler helfen mit: Der Bildhauer Walter Salzmann, die Maler Erich Ess, Norbert Grebmer, vor allem Walter Khüny.
Werner Berg – Gasthaus (1951)
Eine Premiere für Vorarlberg. Wotruba und Avramidis beteiligen sich. Werner Berg, Josef Pillhofer folgen auf junge Vorarlberger Maler, dann Klimt- und Schiele-Zeichnungen, Wacker. Ein Märchen vom Aufblühen moderner Kunst im „vom Misthaufen aus regierten“ Wirtschaftswunder-Ländle? Eher nicht: Bereits 1969 stirbt der Gründer. Die Witwe macht weiter, bis 1993.
Dank der Beratung von Heimo Kuchling und Erich Ess wird die „Galerie Haemmerle“ zu einem Mekka der Gegenständlichkeit, mitten im Erdbeben, dessen Epizentrum 1968 heißt und die Selbstgewissheit der klassischen Moderne – in Österreich noch kaum gefestigt – ins Wanken bringt.
Zum Schluss sind es vor allem unspektakuläre Künstler wie Oswin Amann, Otto Jungwirth, Edda Wotawa und Schüler der Linzer Kunsthochschule, die in Götzis ausstellen. Ein Finale mit Frauen. Und immer wieder gibt es Überraschungen: Die erste Zwischenbilanz der heute weltweit geachteten Vorarlberger „Baukünstler“ ermöglichte 1984 die Galerie Haemmerle. Auch der große „Naive“ Otmar Burtscher ist eine Entdeckung Ewald Hämmerles und des Kreises um ihn.
Künstlerische Landschaft geprägt
‚Auf schwankendem Boden’, Ausstellung wie Monographie, sind auch eine Dankabstattung, ein Lob der einfachen Mittel und der Ausdauer: Wer jahrzehntelang – 115 Ausstellungen lang – Kunst ins Gespräch gebracht hat, hat die Gesellschaft mitverändert, jenseits von Spekulation und Elitismus.
Die Ausstellung:
Auf schwankendem Boden: Galerie Haemmerle 1962 – 1993
Gestaltet von Hugo Ender und Heinz Wäger.
Feldkirch, Palais Liechtenstein 20.10.- 20.11.2005, während der KAMArt täglich 10 – 19 Uhr, danach Mi-Frei 16 – 19 und Sa/So 10 – 13 Uhr.
Eröffnung Donnerstag, den 20. 10.2005 unm 20 Uhr
Zum Buch:
Hugo Ender, Willibald Feinig
Auf schwankendem Boden. Geschichte der Galerie Haemmerle in Götzis, Vorarlberg, 1962 bis 1993.
Mit Beiträgen von Erich Ess, Otto Jungwirth, Heimo Kuchling, Peter Pichl, Robert Trsek. Hohenems (Quintessence), 2005. 264 Seiten, Leinen geb.,num., mit Schutzumschlag, zahlr. Abb.n, Preis € 43.- Vorzugsausgaben mit Originalradierung von Norbert Grebmer € 120.-