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von Holger Carstensen

Veröffentlicht am 27.07.2007     Artikel drucken

Gerda Maria Raschke: Norddeutsche Landschaften

Gerda Maria Raschke: Norddeutsche Landschaften
16. August - 6. Oktober 2007


Angeregt von der norddeutschen Landschaft findet Gerda Maria Raschke früh zu ihrem eigenen Malstil. Ausdrucksstark entwickelt sie ihre Bilder in einer abstrahierenden Vereinfachung und flächiger Raumaufteilung sparsam, fast spröde und in oft erdiger Tonalität.

Landschaften und Tiere sind auf ihre Linien und Flächen konzentriert, die Perspektiven werden aufgelöst und wirken wie aufgeklappt. Ihre Bilder kreisen immer wieder um dieselben Motive - und anstatt ihre Motivwelt zu erweitern, hat Gerda Maria Raschke über die Jahre eine Intensivierung der Darstellung erreicht, indem sie ihren Bildern Texturen und Einarbeitungen beigibt: sie glättet und poliert, arbeitet Sand und andere Materialien ein, bricht und ritzt die Oberfläche nach dem Malvorgang erneut auf.

Gerda Maria Raschke: Norddeutsche Landschaften
Maria Raschke: Spiegelung - 2001 - Mischtechnik 60 x 75

Ihre norddeutsche Heimat ist jederzeit präsent: Die herbe Weite der Schleswig-Holsteinischen Landschaft (Kat. 20; Kat 01); die Luftspiegelung eines heissen Tages (Kat. 21); und immer wieder Tiergruppen in szenischem Aufbau (Kat. 08; Kat. 09). Aber da sind auch die langen Schatten der dunklen Jahreszeit (Kat. 14), in der ein Haus Gebor-genheit gewährt, angezeigt durch ein kleines Licht, durch eine Helligkeit, die mit nur einem Kreidestrich oder einer weissen Höhung angedeutet ist.

Neben heiteren Szenen unbeschwerten Lebens (Kat. 13) und ländlichen Alltags (Kat. 26) tritt unter dem Eindruck früher familiärer Erfahrungen ein melancholischer Unterton in ihren Bildern und als nachhaltige Verunsicherung in ihren Motiven auf.

Ihre norddeutschen Landschaften sind oft Seelenbilder, Bilder der eigenen Innerlichkeit und Selbstvergewisserung oder verrätselte Übersetzungen des Gesehenen (Kat. 11). Kritische Deutun-gen werden erkennbar, wenn sich Schafsherden massieren und um Aussenseiter distan-zierende Räume schaffen (Kat. 18).

Überhaupt ist die Thematisierung von Vereinzelung und Masse in ihren Bilder offensichtlich und lässt Skepsis gegenüber dem menschlichen Herdentrieb erkennen.

Auch ihr mächtiges Bild nur scheinbar fröhlich Badender (Kat. 10) baut Gerda Maria Raschke tatsächlich dramaturgisch und farblich aus vereinzelten Perso-nengruppen auf, die gerichtet werden, abstürzen und untergehen.

Ihr Mann, der Künstler Meinhard Raschke, mit dem sie seit Jahrzehnten über seine und ihre Bilder debattiert, führt zu ihrer Malerei aus:

"Grundlage und Thematik ihrer Arbeit ist die Liebe zur Natur, zum Landleben und zu Tieren. Sie mag die einfachen Motive: ein irgendwo gesehenes Haus, ein Stück Weg, zusammenstehende Schafsherden oder die am Strand gesehenen, sich unter einer Dusche abkühlenden Menschen. Dabei übersetzt sie ihre Seherlebnisse in eine flächig-expressive Malerei.

Es ist eine Ateliermalerei, die sich völlig frei von der Nachbildung der Natur auf der Grundlage einer eigenen Form- und Farbgebung entwickelt. Eine grün gesehene Landschaft komplementär in roter Farbe zu untermalen, ein warm-tiefes Braun einem leuchtenden Blau gegenüberzustellen, dabei die Untermalung zum Erhalt der Transparenz und Offenheit stehen zu lassen, eventuell mit Sand und plastischem Füllmaterial anzureichern, um zusätzliche Oberflächenreize zu erzielen und das Ganze in eine kompositorische Form zu bringen - das ist ihre künstlerische Verfahrensweise, die seit der Studienzeit bis heute für Gerda Maria Raschke gültig ist."

Gerda Maria Raschke gehört zu den begabtesten Schülerinnen von Willem Grimm, mit dem sie eine Freundschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1986 verband.

Dennoch ist die Künstlerin nur im Kreis von eingeweihten Kunstfreunden gut bekannt. Vielleicht weil sie an öffentlicher Wahrnehmung nur bedingt interessiert ist.

Ihre Ausstellungen realisiert sie gemeinsam mit ihrem Mann und einer Gruppe Hamburger Künstlerinnen und Künstler, mit denen sie seit ihren Studientagen eng verbunden ist. Das Oeuvre von Gerda Maria Raschke ist in seiner ganzen Vielseitigkeit und Tiefe für ein sachkundiges Publikum deshalb noch zu entdecken.


Gerda Maria Raschke: Norddeutsche Landschaften

16. August - 6. Oktober 2007
in der galerie carstensen Brüderstraße 9 in 20355 Hamburg

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