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von Stedefreund
Veröffentlicht am 08.06.2011 Artikel drucken
Foto: Perpen-Prüfert
Die Konstruiertheit des Dokumentarischen
Eröffnung: Freitag, 10. Juni 2011, 19 Uhr
Ausstellung: 11. Juni – 09. Juli 2011, Mi - Sa, 14 - 19 Uhr
Ist Wahrheit wirklich der Fiktion gegenüber zu stellen? Entspringt Wahrheit nicht sogar der individuellen Vorstellungswelt und ist somit etwas Konstruiertes und Künstliches? Was bedeutet dies hinsichtlich des Dokumentarischen, wenn dieses Genre weiterhin einen Bezug zu Wahrheit, Authentizität und Nichtfiktionalität beansprucht? Mit den Erfahrungen digitaler Möglichkeiten der Bildmanipulation werden die innerhalb des Dokumentarischen formulierten Wahrheitsansprüche selbst als Konstruiertes und im Wesentlichen Hergestelltes verhandelt und die Künstlichkeit sogar als Inszenierung von Wirklichkeit eingesetzt.
Wo die Unterschiede zwischen Realität und Fiktion, zwischen Artefakt und Dokument zunehmend ins Wanken geraten, geht es nicht selten um bestimmte Zugänge zu Wirklichkeit, mit denen Handlungsformen auf politischer Ebene verknüpft sind sowie Wissens- und Machtstrukturen legitimiert werden. Häufig wird die dokumentarische Praxis als Überzeugungsstrategie herangezogen, um Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit zu behaupten.
Andererseits besteht ihre Möglichkeit auch darin, mittels Erfindung und Inszenierung eine intensivere Ebene von dem Konstrukt Wahrheit zu erreichen, Wahrheit zu schärfen, zu erhöhen oder damit auch hintergründige Strukturen offen zu legen. Das Nachdenken über Strategien des Dokumentarischen veranlasst Wahrnehmung an sich sowie ihre Repräsentationsformen zu hinterfragen. Die von Marcel Prüfert kuratierte Ausstellung bringt dafür verschiedene Positionen zusammen.
Text: Anne Fäser
Zur Eröffnung spielt das hoffmann & tiede sextett, betrieb für freie improvisation. Zu hören sind raumbezogene Klangverläufe, die erst im Moment des Spiels konstruiert und erzeugt werden.
Raphael Grisey, MiKyeng Oh, Olivier Putzbach, Andreas Sell, Jonathan Sheratte, Sabine Techel, Georg Werner, kuratiert von Marcel Prüfert
Weitere Informationen finden Sie unter
www.stedefreund-berlin.de