ArtikelübersichtArtikel verfassen
von Michael Wüst
Veröffentlicht am 03.09.2009 Artikel drucken
Am Donnerstag, 10. September 09, 19.00 Uhr geht es weiter in der whiteBOX. Zur Münchner Hightime der Galerien ergänzt die whiteBOX mit einer sehr malerischen Ausstellung Münchner Künstler.
Farbcode München stellt mit hiesigen Künstlern die Frage nach einer lokalen Farbeigenart. Das bayrische Licht, Traditionen, der Blaue Reiter, das bayrische Barock, die Landschaft, ihre Pflege. Kann man solche Faktoren, solch konstitutionellen Parameter in den Arbeiten Münchner Künstler finden? Die Auswahl der Exponate zeigt zeitgenössische Kunstwerke in München arbeitender Künstler, die Farbe als zentrales Element einsetzen: Malerei, Video-Malerei, Raumobjekte.
Die Zusammenstellung der verschiedenen malerischen Positionen beleuchtet offensichtliche Aspekte in den Werken der Künstler. Wird da Münchnerisches sichtbar? Eine Münchner Schule wird damit nicht behauptet. Von Videoarbeiten bis zu raumbezogenen Objekten zeigt die Auswahl allerdings sehr verschiedene künstlerischen Positionen und Herangehensweisen.
Barbara Bernrieders abstrakte Malerei entsteht durch eine geschickte Kombination maltechnischer Möglichkeiten: unterschiedliche Farbschichten werden teils lasierend, teils deckend übereinandergelegt. In einem Wechselspiel von Kunstharzlasuren und intensiven Leuchtfarben entstehen Formsegmente und räumliche Farbwelten. Im Zentrum der Arbeit von Isabelle Dyckerhoff steht die changierende Intensität der Farbe in wechselseitigem Miteinander mit ihrer koloristischen Nachbarschaft. In der Regel setzen sich Dyckerhoffs Kompositionen aus mehreren Farbfeldern oder eben Farborganismen zusammen, die Schicht für Schicht aufgetragen werden.
Fast immer scheint eine tiefer liegende Farbschicht unter der opaken Oberflächenhaut durch, so dass die flächig aufgetragene Farbe sich schließlich mit dem Grund und den einzelnen Farbpartien zu einem leuchtenden Amalgam von vitaler Raumwirkung verbindet. Bruno Kuhlmann bezieht sich in seiner Video-Arbeit auf die Werke des Blauen Reiter. In seinen Gemälden oder überarbeiteten Fotos wird das vielseitige Vokabular malerischer Möglichkeiten offenkundig, dessen Bruno Kuhlmann sich bedient. Die Farbhintergründe seiner Bilder sind gewöhnlich Nachahmungen computermanipulierter und - generierter Fotografien. Gemalt, gesprayt, unscharf einen Raum erzeugend.
Eine Oberfläche, der er dann wieder scharfkantige Malereifragmente entgegensetzt, die voller hintergründiger Bezüge wie Zitate von Malereigesten erscheinen. Die Installationen des japanische Bildhauer Yoshiyuki Miura lassen mit einem dicht angeordneten Raster von Schnüren leuchtend farbige geometrische Formen im Raum schweben. Die "Populationen" von Michaela Rotsch thematisieren Farbe als Material: Weiß durch ein Lochraster gepresst, ergibt eine seltsame Oberfläche, die an die Blindenschrift Braille erinnert, sich als Farbe verweigert und so eher zum tastbaren Farbkörper wird.
Die Ölbilder von Gotlind Timmermanns wachsen aus der Farbe: in einem langen Malprozess werden immer wieder Schichten aufgetragen: in verschiedenen Viskositäten miteinander verlaufend ergeben sich Bildräume, die dem Betrachter die Welt dahinter erst auf den zweiten Blick freigeben. Gleichzeitig sind die Bilder mehrstimmig: Grünes Leuchten, ein malerisches Problem ist gleichzeitig ein Phänomen beim Sonnenuntergang über den Meer: nur sehr selten zu beobachten, ist es stark mythologisch aufgeladen, denn der Anblick verheißt der Sage nach das wahre Glück. Bernd Webers Farbobjekte spielen mit der Wirkung von Farben und Formen zueinander oder ihren Wechselwirkungen im Raum. Meist sind die Objekte räumlich veränderbar konstruiert. Die Bilder sind in variablen Kombinationen angeordnet, so dass sich die Neugier, mit der der Künstler in der lustvollen Erforschung der Materie Farbe vorgeht, sofort auf den Betrachter überträgt.
Die Malmaschine malt. Von vorne sieht der Betrachter ein Bild - schaut er hinter die Malmaschine, enträtselt sich eine Apparatur, die von Motoren getriebenen Sprayvorrichtungen, immer wieder neue Bilder auf dem milchigen Acrylglas hervorbringt, die jedoch in regelmäßigen Abständen wieder mit einer automatisierten Rakelvorrichtung weggewischt werden. Matthias Wurms Malmaschine wirft die Frage nach dem Kunstwerk als “Original” auf.
Kuratorin: Daniela Silvestrin
Mit dabei sind u.a.
Barbara Bernrieder / Isabelle Dyckerhoff / Bruno Kuhlmann / Yoshiyuki Miura / Michaela Rotsch / Gotlind Timmermanns / Bernd Weber / Matthias Wurm
Ausstellung: Farbcode München
Dauer: 11. September - 18. Oktober
Do, Fr 17 - 21.00 Uhr
Sa, So 15 - 20.00 Uhr
Eintritt: 3.- , erm. 2.-
Weitere Informationen finden Sie unter
www.whitebox-ev.de