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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Dr. Ralf Convents

Veröffentlicht am 22.10.2007     Artikel drucken

Die Gewinner der KunstFilmBiennale 2007

Köln - Im Kölner Filmforum im Museum Ludwig wurden die Preise an die diesjährigen Gewinner der KunstFilmBiennale verliehen.

Aus den 46 Filmen, die im mit 15 000 Euro dotierten Internationalen Wettbewerb liefen, entschied sich die Jury, den von der Filmstiftung NRW bereitgestellten Preis zu gleichen Teilen an zwei Filme zu vergeben: Die Möbelhaus-Sitkom „Stealing Beauty“ des in den USA lebenden Israelis Guy Ben-Ner, nimmt die heimeligen Wohnecken bei IKEA als Kulisse – Rauschmiss inklusive.

Der Film „Lonely Planet“ des deutschen Medienkünstlers Julian Rosefeldt folgt einem deutschen Rucksacktouristen, der mit dem Billigreiseführer Realität und Traumfabrik des heutigen Bombay durchwandert. Den Preis übergab Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW.

Im Wettbewerb um den BILD-KUNST Förderpreis für experimentellen Film, der mit 25 000 Euro dotiert ist und von der VG Bild-Kunst gestiftet wird, waren 48 Filme sehen. Auch hier teilte die Jury den Preis – übergeben von VG Bild-Kunst Verwaltungsratsmitglied Cay C.Wesnigk – für die Filme: „Ferne Intimität“ von Sylvia Schedelbauer und „Das Modell“ von Florian Gwinner.

Außerdem sprach diese Jury zwei lobende Erwähnungen aus für die Filme: „Whirr“ von Timo Katz und „Wellen“ von Daniel Burkhardt.

Den undotierten Preis des Verbandes der Deutschen Filmkritik erhielt der Amerikaner Doug Aitken für seinen Film „Sleepwalkers“.
(Jurybegründungen siehe weiter unten!)

Die KunstFilmBiennale läuft noch bis Mittwoch

Der Programmschwerpunkt „Filmkunst“ der KunstFilmBiennale läuft noch bis einschließlich kommenden Mittwoch im Kölner Kino Odeon (jeweils um 21 Uhr) und bis Dienstag im Bonner Kino Rex (19 Uhr).

Am Dienstag und Mittwoch sind im Kunstmuseum Bonn noch die Retrospektiven mit Filmen von Sarah Morris (14 Uhr) und Shirin Neshat (16 Uhr) zu sehen.

Die Installation „The Perfectionist“ von Julian Rosefeldt, Gewinner mit „Lonely Planet“ im Internationalen Wettbewerb, kann noch bis einschließlich Mittwoch in der Kölner Baukunst-Galerie besichtigt werden.

Die KunstFilmBiennale wird veranstaltet von der SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, in Zusammenarbeit mit der Kunststiftung NRW, der Filmstiftung NRW, der VG Bild-Kunst und der Stadt Köln. Sie wird in diesem Jahr erstmalig gefördert vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen.


Die Jurybegründungen:

Internationaler Wettbewerb

«Die Jury der KunstFilm-Biennale 2007 (Ingvild Goetz [Vorsitzende], Michael Althen, Prof. Rolf Bier, Dr. Barbara Engelbach und Shirin Neshat) hat sich nach intensiven Diskussionen entschlossen, den Preis der Filmstiftung NRW im internationalen Wettbewerb an zwei Filme zu vergeben, die eine jeweils unterschiedliche, dabei exemplarische künstlerische Haltung spiegeln.

Guy Ben-Ner gelingt es in seiner spielerischen Möbelhaus-Sitkom „Stealing Beauty“ (2007) mit Mitteln des Guerilla-filmings humorvoll und komplex zugleich wesentliche Fragen von Privatheit und Besitz zu stellen.

In „Lonely Planet“ (2006) setzt sich Julian Rosefeldt in der Rolle eines Rucksacktouristen in Indien mittels einer ausgeklügelten cinematographischen Choreografie mit der Erfahrung der Fremde auseinander.»


BILD-KUNST Förderpreis

«Der BILD-KUNST Förderpreis wurde ex aequo zwei sehr unterschiedlichen Arbeiten zugesprochen, deren Qualität die Jury (Prof. Marcel Odenbach [Vorsitzender], Gabriele Horn, Daniel Kothenschulte, Stephan-Flint Müller und Prof. Dr. Elmar Zorn) jedoch gleichermaßen bewegte.

Aus gefundenem Filmmaterial und Textfragmenten entwickelt Sylvia Schedelbauer in ihrem Film eine „Ferne Intimität“ Tauchfahrt ins Unbewusste. Individuelle und kollektive Traumata von Leid und Verlust fügen sich in eine Erzählung von eigentümlichem Sog, die man als Metapher der Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts lesen kann. Anders als häufig im Found-Footage-Film greift die Künstlerin nicht auf bekannte Medienbilder zurück, sondern macht Entdeckungen von hoher visueller Poesie, die sie einfühlsam vertont.

In Zeiten der Virtualität ist man es gewohnt, mit Simulationen umzugehen wie mit selbstverständlichen Platzhaltern für alles Mögliche. Dabei gerät die einfache Poesie handgebauter Modelle wie sie Florian Gwinner für seine spektakuläre Kamerafahrt in „Das Modell“ aufgebaut hat, in Vergessenheit. Wie er uns auf der kleinen Reise vom Konkreten ins Abstrakte führt, ist gleichermaßen spielerisch wie philosophisch. Und streift erst in die eigene Kindheit und gleich darauf die Zukunft.

Zwei lobende Erwähnungen wurden ausgesprochen:
In „Whirr“ versetzt Timo Katz nicht nur deutsche Eigenheime in Bewegung. Sein Blick auf das Serielle unserer Vororte ist entlarvend und vertraut zugleich – ein beschwingter Heimatfilm. Mit „Wellen“ hat Daniel Burkhardt eine vollendete Miniatur vom Werden und Vergehen geschaffen und zugleich das Essentielle eines Augenblicks erfasst. Sein Spiel mit der Welle ist eine Hommage an die Unwiederbringlichkeit eines glücklichen Augenblicks - und das Glück filmischer Wiederholbarkeit.»


Preis des Verbandes der Deutschen Filmkritik

«Der Verband der Deutschen Filmkritik vergibt seinen Preis auf der diesjährigen KunstFilmBiennale an „Sleepwalkers“ von Doug Aitken.

In einem narrativen Beziehungsgeflecht aus fünf parallel montierten Geschichten, die in vielen Details exakt zu einander korrelieren, eröffnet Doug Aitken ein faszinierendes Kaleidoskop aus dem heutigen New York. Mit einer meisterhaften Verwendung der Splitscreen-Technik knüpft er unterschwellige Verbindungen zwischen den in ihrem jeweils eigenen Kosmos scheinbar isolierten Figuren.

Dem Künstler gelingt es mit seiner komplexen filmischen Arbeit in überragender Weise, Ansprüche von Filmkunst, Kunstfilm und Bildkunst zu einen und eine Differenzierung zwischen diesen Begriffen nicht weiter sinnvoll erscheinen zu lassen.

Damit erfüllt er die von der KunstFilmBiennale formulierte Utopie einer Verschmelzung bisher von einander abgegrenzter medialer Bereiche.»

Die Jury: Marc Hairapetian, Peter Kremski und Claus Löser

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