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von gv
Veröffentlicht am 14.10.2009 Artikel drucken
Eva Horstick-Schmitt hat Familien jeweils in ihren Wohnzimmern auf der Couch abgelichtet u.a. mit ihren sporttreibenden Kindern. Accessoires liegen zur Erkennung des Hobbies im Bild.
Die Arbeiten entstehen seit 2000 und werden bis 2010 und darüber hinaus weitergeführt. Das erste Foto aus einem Wohnzimmer entstand schon 1997, als Eva mit ihrer Familie Fotos auf dem Sofa erstellte, Daraus erwuchs die Idee das Thema "Familien" als Serie herzustellen, als ein Portrait der Jetztzeit.
Horstick-Schmitt erfand den Titel für die Serie im Jahr 2001: "Das Progamm hat Eltern". Ihre erste Ausstellung mit der Serie fand auf der zeitgenössischen Kunstmesse Kunstquadrate in Essen statt. Dort standen Trauben von Menschen um die kreativen und innovativen Fotoarbeiten, - die Künstlerin hatte diese in alte Rahmen gefasst und entsprechend.
Es handelt sich um keine kommerzielle Arbeit, sondern eine, die wächst und gedeiht aus Momenten der Menschlichkeit in Räumen. Aus Familienbanden, Alleinerziehenden Müttern, witzigen und nüchternen Menschen. lustigen Kindern und nachdenklichen Situationen, Kindern mit und ohne Hobbies.
Familien sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und bröckeln doch auseinander wie nie zuvor. Abgelichtet werden Alleinerziehende ebenso wie die Patchworkfamilie, sowie die Familie mit 5 Kindern, die sich gegenseitig stützen und in schweren Zeiten zu einander halten. Auch Familien mit Migrationshintergrund haben Eva bereitwillig ihre privaten Räume gezeigt und sie dort fotografieren lassen.
Im Ruhrgebiet, einem Schmelztiegel von 6.000.000 Menschen, gibt es eine derartige Vielfalt, wie sonst nirgendwo in diesem Land. Bei der Entstehung der Bilder baute Eva Horstick-Schmitt das Vertrauen auf und aus Fotografierten wurden Freunde, aus auf der Straße angesprochenen Menschen interessante Begegnungen und Neuansichten auf das Ruhrgebiet und seine Bewohnerinnen.
Das Revier besteht nicht mehr aus alten schmutzigen Zechenhäusern, von Kohle- und Stahlarbeitern bewohnt. Das Revier hat sich gemausert, verändert in den letzten 10 Jahren und ist seither zu einer Neuzeit aufgebrochen, die so einmalig ist wie sonst nirgendwo in Deutschland.
Die alten Zöpfe abgelegt ohne die Wurzeln zu verleugnen und neue Zöpfe ausprobiert ohne sich zu verbiegen. Das ist das Revier. Die Menschen hier sind authentisch und lebensfroh, können über sich selbst lachen und auch spontan dieses auf den Fotos rüberbringen.
Das herauszukitzeln und authentisch zu fotografieren ist Horstick-Schmitts Stärke und professionelles Umgehen mit der MF Technik, die Fotografen der Neuzeit leider oft nicht beherrschen.
Lichtführung und Blenden werden von der Fotografin gern manuell erstellt ohne Zoom und automatischer Fokussierung. Mit einer alten MF-Bronica und der Leica wurden und werden noch echte sw und Farbfilme benutzt, die der Digitaltechnik in vielerlei Hinsicht überlegen sind.
Die MF Arbeiten sind einfach unübertrefflich in Farbe und Qualität der Schärfe. Digitale Bilder kommen eher plastisch rüber, eher wie vom Computer erstellt, der sich allein genügt und die Menschenhand nicht mehr wirklich braucht. Dem entgegen wirken Evas Bilder wie nahe Verwandte oder Bekannte, die man gerade besucht hat.
„Das Programm hat Eltern“ wird voraussichtlich 2010 in Dortmund ausgestellt. Also immer schön die Kultur-Kalender im Auge behalten bzw. die Website der Künstlerin, es wird inspirierend.