ArtikelübersichtArtikel verfassen
von Dada Post
Veröffentlicht am 23.08.2010 Artikel drucken
28. August – 26. September
Die Kolonisierung Berlins durch die Zuwanderung von Künstern aus aller Welt hat bewirkt, dass Berlin zu einem der zentralen Orte für zeitgenössische Kunst geworden ist.
Die Berliner Künstlerin Sibylle Hofter und zwei in Italien ansässige Künstler, Valentina Curandi und der Amerikaner Nathaniel Katz, beschäftigen sich in ihrer jüngsten Zusammenarbeit mit der Geschichte des Ortes der heute DadaPost ist, denn die vor über 100 Jahren gegründete und vor etwa 10 Jahren geschlossene Fischräucherei König repräsentiert globales Handeln des Mittelstandes zu einer Zeit als der Begriff Globalisierung noch nicht existierte.
Hinterland ist ein Komplex ortsbezogener Arbeiten zum Verhältnis von lokaler Produktion zu Vor- und Frühformen von Globalisierung. Die Ausstellung gruppiert sich um den Konferenzraum von Erich Königs Fischverarbeitung, der aus der oberen Etage des Wohn- und Bürogebäudes in die Ausstellungsräume, die ehemaligen Produktionsräume, expediert ist.
“Hinterland” als ursprünglich militärischer Begriff kann zweierlei bedeuten: Die Stille hinter der Front bzw. der Windschatten der Front oder die Gegend, die eine Großstadt oder einen Krieg u.s.f. ökonomisch hinterfüttert. Dies auszudrücken ist “hinterland” als Fremdwort ins Englische übernommen.
Momentan repräsentiert unser Standort Berlin-Reinickendorf wohl eher eine mit der Hinterland-Stille des post-sozialistischen Berliner Umlands vergleichbare Spielart des Begriffs.
In den verzerrten Ökonomien des Kalten Krieges, stellten die Ostberliner Industriebetriebe das ökonomische Hinterland für die staats-sozialistische Version einer egalitären Utopie dar, während die Westberliner Wirtschaft parallel aus Mitteln des Bundes und des westlichen Blocks am Leben erhalten wurde. In dieser speziellen Westberlin-Melancholie steht Fischräucherei einerseits für eine starke lokale Tradition; in Gestalt der Fischverarbeitung Erich König verkörpert sie aber auch eine spezifisch bürgerliche Utopie von Mittelstand.
Howard McCalebb, Galerist Dadapost
Die Künstler
Valentina Curandi und Nathaniel Katz
Curandi und Katz arbeiten interdiszipinär, ihre Vorgehensweise reaisiert sich in Performance, Video und kollaborativen Ereignissen.
nkatz.org
Sibylle Hofter
Sibylle Hofter lebt in Berlin und bewegt sich seit vielen Jahren kontinuierlich auf unterschiedlichen Arbeitsfeldern, Film, Text, ortsspezifische Skulptur, Installation im öffentlichen Raum und Fotografie. Als Künstlerin ist sie Kuratorin und Ko-Kuratorin unterschiedlicher Projekte (vor allem Initiatorin von Normalnull auf den Gewässern Berlins), Mitgründerin des Büro Schwimmer und Initiatorin der Schwimmer Bild Agentur (i.Vorb.). Ihre Arbeitsweise bezieht normalerweise extensive Recherchen auf außer-kulturellen Feldern ein.
www.hofter.de, www.buero-schwimmer.de
Weitere Informationen finden Sie unter
www.dadapost.com