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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Vera Firmbach

Veröffentlicht am 31.08.2010     Artikel drucken

Blickwechsel - Ein Experiment


Blickwechsel NRW

Zentrale Eröffnung 12. September 2010 in Soest
Individuelle Ausstellungslaufzeiten ab Ende August bis Ende Oktober


Blickwechsel - Ein Experiment
42 Künstlerinnen, Künstler und Künstlerpaare haben sich auf ein Experiment eingelassen: Sie waren bereit, an einer Zulosung teilzunehmen, bei der sie jeweils einer von 42 Mitgliedsstädten des Kultursekretariats NRW Gütersloh zugeteilt wurden. Niemand wusste, wohin die Reise ging, bekannt war nur die Aufgabenstellung. Es ging darum, die Stadt zu bereisen und zu erkunden, was für die Einwohner alltäglich ist, dem fremden Künstler aber ins Auge fällt. Gefragt war ein künstlerischer Blick, der eine Alltäglichkeit dazu erwählt, Kunstwerk zu werden. Diese Alltäglichkeit konnte unterschiedlichster Natur sein: architektonisch oder situativ, soziologisch, strukturell oder prozesshaft-kommunikativ. Wichtig war die Auswahl und der interventionistische Eingriff des Künstlers in diese Alltäglichkeit oder in deren Kontext.


Einblicke in die künstlerische und kommunale Vielfalt

Das Kultursekretariat NRW Gütersloh ist federführende, fördernde sowie einladende Institution und begleitet BLICKWECHSEL kuratorisch und organisatorisch. Zentral für die Aufgabenstellung des Ausstellungsprojektes waren naturgemäß die Mitarbeiter in den Städten, die die Künstler empfingen, ihnen die Stadt vorstellten und mit ihnen an den Ideen und deren Umsetzungen feilten. Nur die Mitarbeiter der Städte, seien sie aus den städtischen Kulturämtern, den dortigen Kunstvereinen oder andere Engagierte besaßen die notwendige Ortskunde, um den Künstlern kompetente Ansprechpartner zu sein. Denn eine entscheidende Rolle im Konzept von BLICKWECHSEL kommt den Eigenheiten der Städte zu. Jede Stadt hat etwas, was einem Künstler Anregung sein kann und was geradezu nach einem künstlerischen Kommentar oder Eingriff verlangt. Für BLICKWECHSEL sind zumeist im öffentlichen Raum Interventionen entstanden, die etwas Unauffälliges herausstellen, die Details in ihren Kontexten weiterdenken, Arbeiten, die ironisch kommentieren oder eine Absurdität aufdecken, aber auch Absurdes zeigen.

Manchmal sind es zunächst unscheinbare Kunstwerke, die entwickelt wurden, solche, die man erst bemerkt, wenn man genau hinsieht. Hin und wieder findet man auch Interventionen, die laut sind, ja spektakulär. Es gibt Werke, die während vieler Wochen zu sehen sind und solche, die nur an wenigen Terminen inszeniert werden. Das eine Mal läuft die Zusammenarbeit für die Intervention in einer Stadt auf internationaler Ebene, das andere Mal sind es intensive Kommunikationsabläufe zwischen zahlreichen Protagonisten einer Stadt, die selbst zum Thema werden. Meistens aber sind es Einzelprojekte geworden, die im öffentlichen Raum im weiteren Sinne situiert sind.

BLICKWECHSEL bildet ein großes Spektrum dessen ab, was momentan in der zeitgenössischen Kunst aktuell ist. Das Ausstellungsprojekt vereinigt dabei Künstler, die mehrheitlich in den 1960er und 1970er Jahren geboren sind und künstlerisch über rein bildhauerische Positionen hinausgehen. Ziel ist nicht die dauerhafte Installation, sondern der temporäre Eingriff. Sowohl im Falle eines stationären Kunstwerkes wie auch dem einer temporären Intervention ist nämlich auch die Zeit nach der Präsentation interessant, wenn nichts mehr zu sehen sein wird. Die Wirkung ist ähnlich der bei einem Vexierbild: Hat man einmal das zweite Bild im Vexierbild erkannt, wird man eine Zeit lang zwischen dem ersten und dem zweiten Bild hin- und herwechseln können. Das Kunstwerk verschwindet, der BLICKWECHSEL bleibt.

Dass Kunst – ob zeitgenössische oder ältere – der Vermittlung bedarf, ist selbstverständlich. Viele beteiligte Städte bieten deshalb Veranstaltungen an, die zu einem besseren Verständnis der Werke beitragen werden. Informationen hierzu und zu den Projekten im Einzelnen sind auf der Netzseite zu finden. Sie fungiert als wichtiges Medium, um das landesweite Ausstellungsprojekt für den Einzelnen greifbar zu machen.

Dass das Experiment BLICKWECHSEL gelungen ist, ist dem Engagement auf Seiten der Künstler und der Städte zu verdanken – ein positives Beispiel für die Chancen und Synergiewirkungen kultureller Zusammenarbeit in NRW. Gleichzeitig führt das Ausstellungsprojekt ein Merkmal dieses Bundeslandes vor Augen, das bei der medialen Konzentration auf wenige Metropolen manchmal zu kurz kommt: Es ist die dezentrale Vielfalt NRWs, eine Mannigfaltigkeit, die sich auch in den vielen Einzelprojekten von BLICKWECHSEL spiegelt.


Weitere Informationen finden Sie unter
www.blickwechsel-nrw.de

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