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von gv
Veröffentlicht am 09.08.2007 Artikel drucken
© Design Nik Bräter - Foto Eva Horstick-Schmitt
Im Herzen von Kettwig, dem jüngsten Stadtteil von Essen direkt an der Ruhr, liegen die "Scheidtschen Hallen". Sie gehörten früher zur Kammgarnspinnerei und Tuchfabrik Scheidt (Jahrgang 1720), die wichtigster und größter Arbeitgeber der Region war - auch für griechische Gastarbeiter, die sich hier integriert haben - und Kettwigs weltweit guten Ruf als Tuchmacherstadt begründete. Die noch erhaltenen Gebäude werden heute von zahlreichen Firmen, Agenturen und Künstlern genutzt.
Nun soll nach langer Zeit, auf Anregung einer der Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft Kettwig, Herrn Schnetger, einer der interessantesten Räume wieder für die Bürger geöffnet und begehbar werden: der unter den Dächern gelegene Wollboden. Hier befand sich die Wollsortierung und hier wurden die Tuchballen mit Hilfe einer Lore transportiert und gelagert.
Eine der Künstlerinnen, die in den Scheidtschen Hallen ihr Atelier haben, gründete mit einigen Kulturschaffenden aus der Region eine Künstlergruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Wollboden für zwei Wochen in einen Ausstellungsraum zu verwandeln. So wird alte Kultur mit neuer verwoben, die künstlerische Auseinandersetzung mit altem geschichtsträchtigen Bauwerk verknüpft.
Der Raum lädt ein zum Nachdenken über Vergangenes, über die Menschen, die hier arbeiteten und über ihre Schicksale. Wie viele Familien gibt es noch in Kettwig, deren Angehörige hier ihren Arbeitsplatz hatten? Existieren noch alte Fotos? Alte Geschichten?
Während man den alten Dielenboden unter sich spürt und die mit vielfältigen Düften erfüllte Luft atmet, die abblätternden Farben an den die Decke tragenden Holzsäulen betrachtet, kommt eine Vorstellung davon auf, wie es früher hier gewesen sein könnte. Eine Ahnung, die man nur in Räumen mit derartigem Industrieambiente haben kann.
Und dann sieht man das alte Schild: “Betreten verboten!“ und empfindet plötzlich dieses Verbot als programmatischen Hinweis. So wird „Betreten Verboten!“ zum Namen der neu gegründeten Künstlergruppe und gleichzeitig zum Titel ihrer Ausstellung, der ersten Ausstellung auf dem Wollboden.
Diese Künstlergruppe wurde im April 2007 von Eva Horstick-Schmitt mitgegründet im Rahmen einer Zusammenkunft mit Künstlerinnen und Künstlern im Atelier von Lida Bräter. Die Künstler haben sich von dem Thema Wollboden auch in ihren Werken inspirieren lassen.
Beteiligt sind: Christiane Bockx, Lida Bräter, Michaela Classen, Ulrike Eggers, Carola Engels, Anne Friederichsen, Klaus Hesselmann, Eva Horstick-Schmitt, Dietmar Jäkel, Kristin Loehr, und Sebastian Walter-Lilienfein, der den Wollboden schon seit Jahren als Inspirationsquelle nutzt. Gezeigt werden Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation.
Der Wollboden wird sich wandeln und das nicht nur für eine Ausstellung. Weitere Veranstaltungen sind geplant, alle unter dem Leitgedanken, der für die Kulturhauptstadt 2010 steht: Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel.
Vernissage: Freitag, 31. August, 18 Uhr
auf dem Wollboden in den Scheidtschen Hallen
Bachstraße 40 (Kinoeingang), 45219 Essen-Kettwig
Es spricht Colmar Schulte-Goltz - Kunsthistoriker und Kurator.
Es spielen die Bandoneon Freunde Essen.
Die Künstler sind anwesend.
Mit freundlicher Unterstützung der Grundstücksgesellschaft Kettwig
Geöffnet am 1., 2. und 8., 9. September von 13 bis 18 Uhr