ArtikelübersichtArtikel verfassen
von Stefanie Neumann
Veröffentlicht am 26.10.2006 Artikel drucken
Babaismus – eine wahre Traumwelt; in Szene gesetzt von Fotokünstlerin Eva Horstick-Schmitt
Die Ausstellung am Samstag den
28.10.2006 von 12.00-18.00 Uhr
Kleiner Waldhausweg 16
44229 Dortmund- Lücklemberg
Eva Horstick-Schmitt spielt. Mit Klischees. Mit Bildern. Mit Kultobjekten. Mit Barbies. Barbie, die meistverkaufte - und auch wohl meistgeliebte - Puppe der Welt. Dieser rosarote Kleinmädchentraum, der in Form einer kunststoffgewordenen Superblondine ein Frauenbild darstellt, dem keine Frau in der Realität das Wasser reichen kann, und dem doch immer wieder viele nacheifern.
Dass Barbie "nur eine Puppe" ist, ist nüchtern betrachtet, wohl auch besser so: Wäre sie eine Frau aus Fleisch und Blut, würde sie dank ihrer bemerkenswert vorderlastigen Anatomie laufend vornüberfallen; und ein Leben auf Zehenspitzen trippelnd zu verbringen – wer möchte das schon?
Trotzdem: Seit Barbie im Jahr 1959 ihren weltweiten Siegeszug angetreten hat, ist sie aus vielen Kindheiten und Kinderzimmern kleiner Mädchen einfach nicht mehr wegzudenken.
Babaismus – die Welt auf den Kopf stellen
Eva Horstick-Schmitt beschreibt das so: "Ich möchte die Barbies aus den Schränken und Kinderzimmern herausholen und aus der An- und Ausziehpuppe ein Kultobjekt machen. Mit ihren Gesichtern spielen, ihren meist süßlichen Gesichtsausdruck durch ungewohnte Perspektiven
und Settings verändern. So wie Kinder mit ihren Puppen spielen, ihnen Namen geben, zu ihnen ein freundschaftliches Verhältnis entwickeln, so möchte ich ihnen mit meinen Bildern neues Leben einhauchen."
Eva Horstick-Schmitt nennt ihre Fotokunst Babaismus. Eine Reminiszenz an ihre große Inspiration, den Dadaisten Hans Arp, dessen Skulpturen feenhafte Qualitäten und Formen besitzen – wie die Barbiepuppen auch.
"Eigentlich sind Barbies Traumgestalten, die mit der wirklichen Welt nichts zu tun haben", sagt sie, "und gerade das fasziniert mich." SOFIA COME HOME! hat sie ihre Ausstellung genannt. Sofia, findet Eva-Horstick Schmitt, ist ein passender Name für elfenhaft-grazile Wesen, wie Barbies es sind.
Nach Hause kommen, zu den Wurzeln zurückkehren, Barbie, die alte Gefährtin aus Kinderzeiten wiedertreffen, ein Déjà vu – das fühlt sich intuitiv gut an und zaubert auch Frauen, die die 40 überschritten haben, ein versonnenes Lächeln aufs Gesicht.
Wobei es wohl auch daran liegen mag, dass sie die Plastikdamen trotz anerkanntem Kult-Status mit deutlichem Augenzwinkern erfrischend in Szene setzt: schwimmend zwischen Seerosen, mit einer menschlichen Doppelgängerin Zeitung lesend, oder als "Barbie-Q" zwischen Bratwürstchen auf einem Holzkohlegrill.
Babaismus – die Ausstellung am 28. 10. 2006
"Wasserfeste Fotokunst": Die wunderbaren Fotos werden großformatig auf wasserfeste, strapazierfähige LKW-Plane gedruckt. Ein für Fotokunst sehr ungewöhnliches Medium. Ausgestellt werden sie in einer Outdoor-Exhibition am blauen Haus, am kleinen Waldhausweg in Dortmund-Lücklemberg, in dem sie selbst wohnt.
Mit einer großen Party zur Ausstellungseröffnung, um 12.00 Uhr, mit dem Redaktionsteam der "fraulich", mit Kabarettistin Sabine Henke und Modedesignerin Ruth Heinen aus Düsseldorf, die unter dem Label "Rita Laguna" Club Couture entwirft und vertreibt. Und nicht zuletzt auch Eva Horstick-Schmitt, die mit dem Babaismus nur einen kleinen Teil ihres künstlerischen Schaffens präsentiert.
Noch mehr Babaismus
Weil alle ihre Barbie-Inszenierungen lieben, hat Eva Horstick-Schmitt sich dazu entschlossen, einige Motive in limitierter Auflage auf T-Shirts zu drucken und Schultertaschen herstellen zu lassen. Diese können direkt bei Eva bestellt werden.
Jenseits des Babaismus
Wer Eva Horstick-Schmitt kennen lernt, stellt fest, dass diese Frau viele Facetten und viele Leidenschaften hat, denen sie mit ihrer Fotokunst Ausdruck verleiht.
Fotografin oder Fotokünstlerin, die schlanke, dunkelhaarige Frau kann und will sich da nicht festlegen. Sie ist vielseitig – und vielseitig interessiert – fotografiert für Wirtschaft und Industrie, macht aber genauso gern Portraitarbeit. "Das eine geht nicht ohne das andere", sagt sie.
Und dann erzählt sie von ihrer Fotoarbeit, die sie immer wieder in Grenzbereiche führt: Für eine Dokumentation über Zwangsprostitution im Kosovo hat sie die Polizei bei deren Einsätzen begleitet. "Das sind Bilder und Situationen, die unter die Haut gehen, das kann man auch nie wieder abschütteln."
"Die Fotokunst", fährt sie fort, "das ist mein anderes Leben. Da kann ich mich frei ausdrücken, so wie ich es will. Ich kann meine Träume fotografieren. Das gibt mir innere Freiheit und Kraft."
Wenn Sie Eva Horstick-Schmitt nicht am 28.10. treffen, dann vielleicht im Hans-Arp-Museum, Bahnhof Rolandseck, in Remagen. Da sollen Sie, liebe Leserinnen und Leser, unbedingt einmal vorbeischauen, meint Eva Horstick- Schmitt, und sich inspirieren lassen.
Mehr von Eva:
art.fair, Internationale Messe für aktuelle Kunst -
Performance zur Eröffnung - am 01.11.2006,
EXPO XXI, Gladbacher Wall 5, 50670 Köln
www.art-fair.de
16. Kunstmesse der Künstlerinnen - Junge Kunst -
17. bis 19.11.2006, Frauenmuseum, Im Krausfeld 10,
53111 Bonn, www.frauenmuseum.de