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von Michael Wüst
Veröffentlicht am 20.05.2009 Artikel drucken
Am 6. Juni 2009, 18.00 Uhr eröffnet die whiteBOX wieder eine Ausstellung mit Dieter Noss:
Noss, abgetragen
Dieter Noss, Objekte, Malerei
Markus Amon, Fotografien
7. - 21. Juni 2009
Eröffnung: Samstag, 6. Juni, 18.00 Uhr
Dieter Noss zeigt im OG II der whiteBOX u.a. seine neueste Kollektion von Herrenmode aus angeschwemmtem Hasendraht, Lanzarote.
Im OG III Markus Amon, Fotografie.
Dieter Noss ist Hamburger. Jetzt würde man gerne mehr wissen und fragt mit dem routinierten Automatismus des Kunsthallen-Hausmeisters der whiteBOX nach einer Vita, einer „Biooderso“: „Oooch“, nee, hat er nicht, braucht er nicht, nee. Ah-ja, Ende der Durchsage, man schaut mit leerem Kopf imaginären roten Rücklichtern nach. `The train has left the station´ – ja natürlich, kein Problem, stimmt wozu auch…Jaaaa-haha…kleine Pause. Das ist dann eben die hanseatische Sparsamkeit, herzlich und spröde. Gelächter platzt mit Verzögerungen raus, nach Schrecksekunden der Witzüberprüfung. Find ich gut! Jo.
Eine seiner aus Altmetall, Wrackteilen und Strandgut zusammengeklopften und - geklebten Vogelfiguren fällt um. Beim Kunsthallen-Hausmeister rattern Schadensersatzbeträge durch den Kopf wie die Zahlen einer Hauptbahnhof-Zuganzeige, er setzt ein Peinlichkeitslächeln auf. Noss holt eine Kombizange, ein Griff und der fragile Schnabel aus dem Öffner einer Ölsardinenbüchse ist wieder gerade. „Ja, wo waren wir…Mann is das schön hier!“ Uff. - Hilfe? Was für ne Hilfe? Nee, Hilfe braucht er keine, er macht das gerne alleine. (Die sogenannte „Hängung“) Nee, keine Helfer. Kein Stück Künstlergehabe ist an dem Kerl.
Der ist robust, autark, in einer sehr aufgeräumten Art und Weise weltabgewandt. Ein heiterer Einzelgänger. Ich komm gegen Abend wieder. Jooo. Ein paar Stunden später ist die ganze Ausstellung fertig. Er hat im Lager ein paar Kästen gefunden, weiß gestrichen, da stehen die wildesten Knäuelköppe jetzt drauf. Ein gewisser Sarkasmus liegt im stieren Blick. Urfische aus schwarzer Lava, versunkene Gesichter mit Glasscherben überklebt, Stierköpfe aus einem Brett und einer Baukrampe.
Der ganze Raum stimmt jetzt und alles aus dem Wasser Geborgene, das Versunkene, Ertrunkene, es schwebt. Noss nennt das recyceln, was leicht in die Tiefe gestapelt ist. Und die Kunstdeuter nennen solche Objekte `Trouvaillen´. Es ist mehr, das Schreiben eines gestrandeten Buches von Wassergeschichten. Er bringt zu Gehör in Gestalt, was dort unten so zu murmeln ist. Sardinen betrachten eine Ölsardinendose im spitzen Winkel angeordnet wie die Zacken einer Krone oder ein angeknabberter Herr, am Sitz noch angeschnallt die Trümmer eines Klosetts. Vielleicht.
Exponat: Hasenanzug von Dieter Noss
Exponat: Kleid von Dieter Noss
Foto von Markus Amon
Foto von Markus Amon
Foto von Markus Amon
Foto von Markus Amon
Foto von Markus Amon
Weitere Informationen finden Sie unter
www.whitebox-ev.de
www.markusamon.com