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Kunstreport: Termine, Ausstellungen, Neuigkeiten

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von Dr. Ralf Convents

Veröffentlicht am 09.08.2007     Artikel drucken

Ausstellungen der SK Stiftung Kultur, Köln im September 2007

AUSSTELLUNGEN

5. September bis 9. Dezember 2007:
Daido Moriyama. Retrospektive ab 1965
Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Kooperation mit dem Cento Andaluz de Arte Contemporáneo, Sevilla, und der Taka Ishii Gallery, Tokio (Raum 1-3)

Eröffnung: Dienstag, 4. September um 19 Uhr

Die rund 350 Arbeiten umfassende, retrospektive angelegte Ausstellung stellt von 1965 bis heute alle wichtigen Bereiche im Schaffen von Daido Moriyama (*1938) vor. Sein Werk spielt eine zentrale Rolle in der Etablierung der japanischen Photographie als eine der kreativsten Richtungen der Photogeschichte.

Die Aufnahmen von Daido Moriyama entstehen vor allem in den Straßen japanischer Großstädte. Mit einer Kleinbildkamera aufgenommen, lassen sie die Geschwindigkeit erspüren, mit der die Bilder, zuweilen ohne kontrollierenden Blick durch den Sucher, entstanden. Die Perspektiven sind oftmals verschoben, die Körnigkeit und die Kontraste hart betont.

Unter den Städtebildern finden sich solche, die in schwach beleuchteten Bars und Strip Clubs, auf den Straßen oder in engen, schmutzigen Gassen aufgenommen wurden und in denen die Formen durch die Bewegung eher verschwimmen, als deutliche Konturen erkennen zu lassen.

Moriyamas Bildsprache wirkt mitunter drastisch, schroff, sie konzentriert sich häufig auf Details, deren Kontext durch überraschende und ungewöhnliche Ausschnittwahl häufig im Unklaren belassen ist. Ein für Moriyama bedeutsames Motiv zeigt sich in der Aufnahme Stray Dog.

Der streunende Hund ist gleichsam Ikone und Symbol für die Arbeit des Japaners, der seiner Fähigkeit ungebunden, mit Instinkt und großer Aufmerksamkeit für Atmosphäre und Detail nachgeht - Moriyama - ein grenzgängerischer Flaneur der Moderne.

Die Originalität von Moriyamas Photographien liegt nicht zuletzt in ihrem mehrdeutigen Verhältnis zur Realität, die er stets vor dem Hintergrund von persönlicher und kollektiver Erinnerung reflektiert. In allen seinen Schaffensperioden nutzt er die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten, die das Medium der Photographie bietet, weist auf die Grenzen des Dokumentarischen hin und setzt ihre Zeichenhaftigkeit als künstlerische Ausdrucksform ein. Der Akt des Photographierens selbst ist für Moriyama eine existentielle Notwendigkeit, der er extensiv und kompromisslos nachgibt.

Mit dieser Ausstellung, die über zehn, zum Teil sehr umfangreiche photographische Serien von Daido Moriyama präsentiert, wird das Schaffen eines der bedeutendsten japanischen Photographen in Deutschland vorgestellt. Erfolgreiche Einzelausstellungen fanden in den vergangenen Jahren in Europa bereits in Essen und Winterthur (1999/2000), London (2002) und Paris (2003) statt.

Moriyamas außerordentlich komplexes wie auch in ästhetischer Hinsicht konsequentes photographisches Werk birgt vielschichtige Aspekte, die sich in der aktuellen Retrospektive anhand der Zusammenschau von zentralen Serien wie Japan Theater Photo Album, 1968, Hunter, 1971, Light and Shadow, 1982, oder Shinjuku, 2002, überzeugend erschließen lassen.

Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Künstler und der Taka Ishii Gallery in Tokio realisiert worden. Bereits im vergangenen Jahr fand das Projekt in komprimierter Form im Fotografiemuseum FOAM in Amsterdam große Resonanz. Erweitert wurde sie dann in einer zweiten Station im Centro Andaluz de Arte Contemporáneo in Sevilla gezeigt, die als Basis für die Kölner Ausstellung dient.

Begleitend zur Retrospektive von Daido Moriyama findet ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm statt. Neben den öffentlichen Führungen an jedem zweiten Sonntag, 15 Uhr, präsentiert das Japanische Kulturinstitut Köln im September und Oktober Highlights der japanischen Filmgeschichte, die Einblick in Leben und Werk Moriyamas geben und die historischen Umstände seines Schaffens beleuchten. Prof. Minoru Shimizu, Kunsthistoriker, Kyoto, wird einen

Vortrag über Daido Moriyama halten (6.9., 19Uhr, in der Ausstellung), ebenso Ferdinand Brüggemann, Photohistoriker, Köln (23.10., 19 Uhr, in der Ausstellung).

Gerne möchten wir noch auf die neuen Kinderführungen der Photographischen Sammlung hinweisen, an den Samstagnachmittagen 22.9., 20.10., 17.11., 15 bis 16.30 Uhr.


5. September bis 9. Dezember 2007:
Julius Brodkorb - "Das zweite System"
Eine Ausstellung in Raum 4 der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Zusammenarbeit mit dem Künstler

Die Arbeiten des jungen, in Berlin lebenden Künstlers Julius Brodkorb beschäftigen sich mit fiktiven Räumen. Diese sind einerseits als geschlossene, beinahe klaustrophobische Systeme dargestellt, andererseits überraschen sie mit einem so weiten Assoziationshorizont, dass der Betrachter magisch von ihnen angezogen wird.

Brodkorbs künstlerische Arbeiten, die er mit den Mitteln der Photographie, der Graphik und der Skulptur entwickelt, hinterfragen die unterschiedlichen Schichten von Realität, von Realitätsdarstellung und -wahrnehmung. Sie bewegen sich in einer eigenen Logik und stellen Erwartungshaltungen auf die Probe.

Dass wir oft von Rezeptionsmustern beeinflusst sind, etwa erzeugt durch die neuen Medien, macht sich Brodkorb zuweilen recht provokant zunutze und sensibilisiert so auch für unterschiedliche Formen von Normierung.

Assoziieren wir mit der Photographie vor allem ein Medium zur Dokumentation der greifbaren Gegenstandswelt, so sucht Brodkorb diese Sicht weiterzuentwickeln, indem er die scheinbare Beweiskraft der Kamera zur Visualisierung für von ihm konzipierte Denkräume einsetzt. So entpuppen sich seine photographischen Bilder erst auf den zweiten Blick als Wirklichkeitsausschnitte, deren Herkunft schwer einzuordnen ist.

Tatsächlich basieren die Aufnahmen auf akribischen vom Künstler erbauten Modellen selbst entworfener Landschaften, Maschinen, Bauwerke oder Situationen. Zunächst vermitteln diese eine gewisse Vertrautheit, die durch eigenartige, unerklärliche Objekte oder Zusammenhänge immer wieder in Frage gestellt wird. Merkwürdige oder gar bedrohlich wirkende Elemente irritieren, Öffnungen, Türen oder Löcher legen frei, ohne wirkliche Einsicht zu gewähren.

In seinen Zeichnungen taucht Julius Brodkorb mehr noch als in seinen Photographien in fiktive Welten ein, die sich, in hoher Konzentration geschaffen, mal aus Kombinationen von Naturlandschaften und technischen Apparaturen zusammenfügen, mal neue, schwebende Gebilde formen. Nach und nach führt er in seinen Blättern ein wiederkehrendes Zeichensystem vor Augen, dessen Semantik sich nicht im Einzelnen erschließen lässt, aber eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Zeichnungen nahe legt.

Die in der Ausstellung zusätzlich zu den Zeichnungen und großformatigen Photographien gezeigten modellhaften Objekte, Studioaufnahmen und Skizzen dokumentieren den teilweise über Monate dauernden Arbeitsprozess. Ein Teil der Arbeiten entstand im gemeinsam von der Stadt Köln und der SK Stiftung Kultur zur Verfügung gestellten Gastatelier, das von Julius Brodkorb von Februar bis August 2007 genutzt wurde.

Julius Brodkorb, der 1979 in Leverkusen geboren ist, studierte an der Fachhochschule Aachen im Bereich Grafik-Design und lebt und arbeitet nun in Berlin.


SK Stiftung Kultur
der Sparkasse KölnBonn
Im MediaPark 7
50670 Köln

Öffnungszeiten der Ausstellungsräume der SK Stiftung Kultur:
täglich außer Mittwoch 14 - 19 Uhr, montags freier Eintritt
(Die Ausstellung Daido Moriyama ist am Mittwoch, 5. September ausnahmsweise geöffnet!)
Eintrittspreise Raum 1 - 3 oder Tanzmuseum: Erwachsene 4,50 EUR (erm. 2,- EUR)
Kombiticket Raum 1 - 3 und Tanzmuseum: Erwachsene 6,- EUR (erm. 3,- EUR)
Raum 4: Eintritt frei!

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