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von Katharina Knieß
Veröffentlicht am 04.06.2010 Artikel drucken
Quelle: www.maria-baumschlager.com
Textilobjekte als Träger von Inspiration und Geheimnissen der Natur „Gewächshaus 9" in der Hofgartengärtnerei
Vernissage: Donnerstag, 26.08.10
Ausstellungsdauer: 27.08. bis 05.09.10
Ästhetik als Ausdruck intensiver Naturkraft
„Der Mantel, das um den Körper gelegte Tuch, die textile Hülle, die die Haut des Menschen berührt, ist meine Leinwand. Diese ,behafte’ ich mit der Funktion des Schützens.“ Wenn Maria Baumschlager-Dünser ihre Schutzmäntel beschreibt, von denen ein gutes Dutzend vom 27. August bis zum 5. September 2010 im „Gewächshaus 9" in der Hofgartengärtnerei zu sehen sind, knüpft sie an uraltes ästhetisches Wissen an: Bei tragbaren Textilien, die bewusst bestickt, gefältelt oder gerafft werden, ist nicht die Ästhetik der Ursprung. Die Wurzeln sind wie bei Tanz, Musik und Kunst vielmehr eng verbunden mit Ritual, Magie und Medizin.
Viele der Rohstoffe der Ummantelungen wachsen im Garten der Vorarlberger Künstlerin, wie die Kresse für das Kressekleid, das etwa drei Tage hält. Oder sie legen eine Fruchtbarkeitshülle um die Trägerin wie beim Kleid aus Asclepias-Samen. Maria Baumschlager-Dünsers Skulpturen haben durch die Vergänglichkeit der gewählten Materialien nicht selten ephemeren Charakter. Andererseits übersetzt die Textilkünstlerin, die an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studierte und seit 30 Jahren international ausstellt, das Wachstum und Schutzpotenzial von Pflanzen in textile Techniken.
Herbert Bacher, Leiter der Bundesgärten Innsbruck, ist fasziniert vom Ansatz der Künstlerin: „Neben der Verwertung von Naturmaterialien für nützliche Zwecke findet das Spiel mit den Möglichkeiten nahezu unerschöpfliche Wege, das Naturprodukt ästhetisch zu präsentieren. Kaum ein Ort wäre besser geeignet als das geschützte Gartendenkmal ,Innsbrucker Hofgarten’, die Natur-Kunstwerke von Maria Baumschlager-Dünser vorzustellen.“
Ob sie Applikationen oder Stickereien aufbringt oder sie bedruckt: „Ich gebe meinen Textilien durch Elemente wie Farben, Licht, Symbolen und Zeichen, Naturmaterialien und (Heil)-Pflanzendarstellungen Eigenschaften, die einen Prozess der gedanklichen Umwandlung und Aneignung der den Dingen innewohnenden Kräfte bedeuten. So werden sie auf den Menschen übertragen.“ Selbst bestickte Schürzen spielten in vielen Teilen der Welt eine wichtige Rolle – nicht um die Kleider, vielmehr um den Körper zu schützen.
Durch die angestrebte Wechselwirkung mit der Sinnlichkeit und Ästhetik der Natur und der Sorge um diese verschafft die Künstlerin gleichsam der Natur selber einen Schutzmantel. Inspiration sind ihr die Manteldarstellungen auf historischen Bildern. Dort hüllen blaue, purpurne, glänzende und schwarze Textilien die Körper von Heiligen, Kaisern oder Bettlern ein. Diese Darstellungen haben nichts mit Mode zu tun: „Der Mantel wird zum Ort, unter dem man Zuflucht sucht, er ist das Objekt, das aus Nächstenliebe geteilt wird, das Stück Stoff, um das gewürfelt wird, um nicht geteilt zu werden.“
Eingang: Kaiserjägerstraße 1b, Hofgartengärtnerei
tägliche Öffnungszeiten: 10.00 bis 17.00 Uhr,
Eintritt frei
Weitere Informationen finden Sie unter
www.maria-baumschlager.com