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von Stedefreund
Veröffentlicht am 23.07.2010 Artikel drucken
Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener
Eröffnung: Freitag 23. Juli, 2010, 19 Uhr
Videoscreening: Donnerstag 29. Juli, 2010, 20 Uhr
Ausstellung: 24. Juli – 14. August 2010, Mi – Sa, 14 – 19 Uhr
Der Ausstellungstitel von Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener verweist auf ein Buch des französischen Dichters Lautréamont (Isidore Ducasse). "Les Chants de Maldoror" von 1874 übte enormen Einfluss auf die Literatur der Moderne und den Surrealismus aus.
Man Ray betitelte 1920 die Arbeit "The Enigma of Isidore Ducasse" nach einer Passage im sechsten Gesang des besagten Buches, in der die Schönheit eines Jünglings als ein "zufälliges Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch" beschrieben wird. Das abstrakt wirkende Objekt "an sich" hatte Ray nur zum Zweck der Fotografie geschaffen.
Buch des französischen Dichters
Lautréamont (Isidore Ducasse)
"Les Chants de Maldoror" von 1874Das Zusammenspiel zwischen Fotografie und temporärem Objekt, des Arrangierens und "De-Arrangierens" von Gegenständen, und die Rolle der Fotografie als Mittel des Festhaltens einer temporären räumlichen Situation, ist die gemeinsame Schnittstelle in den Arbeiten von Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener. In der Ausstellung bei Stedefreund wird der Bereich zwischen dem Objekt und seinem fotografischen Abbild, der sowohl zeitlich als auch räumlich in Erscheinung tritt, dargestellt. Mit entschiedenem Blick auf den Prozess wird dieser Zwischenraum innerhalb der unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen ausformuliert.
Tamara Lorenz erzielt mit einfachsten Materialien und einem klaren, konzentrierten Bildaufbau eine große Wirkung zwischen Vertrautheit und Befremdlichkeit, Erwartungshaltung und Nonchalance, Nüchternheit und Witz, Naivität und Ironie. Sie arrangiert ihre Konstruktionen stets mit einer lebendigen Mischung aus Konzeption und Intuition, die häufig in Aufbauten mit Objekten, Videos und Fotografien münden. Der skulpurale Moment von minimaler Form der geometrischen Einheiten wird als Display entlarvt und in Verbindung mit dem Boden der Tatsachen gebracht. Es wundert sich wer kann!
Alexandra Schumacher thematisiert in ihren Objekten und Installationen die Konzeption und Konstruktion von Raum. Sie konfrontiert sie mit fotografisch festgehaltenen Zwischenzuständen aus dem Atelier und stellt so den faktisch sichtbaren Endzustand in Bezug zum Prozess der künstlerischen Produktion. Häufig sind es abstrakte Mechanismen des Alltags, deren Funktionsweise und Auswirkungen, die in den räumlichen Arrangements im Sinne einer spielerischen Annäherung untersucht werden.
"Immer wieder wendet sich Christof Zwiener dem Flüchtigen, dem Zwischenraum, der Leerstelle und Lücke zu. Das Nichtfassbare zum Dreh- und Angelpunkt der Arbeit als plastisch und räumlich argumentierender Künstler zu erklären scheint – Contradictio in adjecto – ein Widerspruch in sich. (…) in Zwieners Fall führt diese Infragestellung zu höchst produktiven Untersuchungen der Möglichkeiten von Skulptur und Installation und der an sie geknüpften Diskurse der Repräsentation. (…)
Das Wissen um Flüchtigkeit der Erscheinungen, ihren unwiederbringlichen Verlust, ihre veränderlichen Bedeutungshorizonte ist seinen Arbeiten eingeschrieben und doch erschöpfen sie sich nicht in der Geste des Ephemeren oder inszenieren Vergänglichkeit als Verwitterung oder Entropie. Vielmehr behaupten sie einen Raum, der jedoch immer auch als prekäres Konstrukt gekennzeichnet ist. Widersprüche und Paradoxa oder Umkehrungen werden dabei gegen einfache Zuordnungen und Festschreibung von Bedeutung in Stellung gebracht. (…)"
(Ursula Schöndeling , "between the lines" , Kunstverein Langenhagen, 2010 // gekürzte Fassung)
Weitere Informationen finden Sie unter
www.stedefreund-berlin.de