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von Priska Höflich
Veröffentlicht am 17.11.2005 Artikel drucken
Als Ergebnis einer mehrjährigen Recherche der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln und der Landesgalerie Linz widmet sich nun erstmals ein eigenes Ausstellungsprojekt den „Linzer Jahren“ von August Sander. Die Ergebnisse werden durch eine im Schirmer/Mosel Verlag erscheinende Publikation dokumentiert.
August Sander (1876–1964) wurde vor allem durch seine Portraitsammlung „Menschen des 20. Jahrhunderts“ bekannt. Dieses umfangreiche Mappenwerk zeigt entsprechend einem vom Künstler ausgearbeiteten Konzept Personen verschiedener Berufe und Gesellschaftsgruppen („Der Bauer“, „Der Handwerker“, „Die Frau“, „Die Stände“, „Die Künstler“, „Die Großstadt“ und „Die letzten Menschen“) mit dem Ziel, im einzelnen Portrait spezifische Typen festzuhalten, um so einen Spiegel der Zeit zu liefern.
Obwohl Sander heute zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt und weltweit in wichtigen Museumssammlungen vertreten ist, besteht wenig Kenntnis, dass er zwischen 1901 und 1909 ein Atelier in Linz in Österreich betrieb. Rezeptionsgeschichtlich begründet sich dies unter anderem darin, dass er sein Mappenwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ erst nach der Linzer Zeit um 1925 in Köln begann, wo er von 1910 bis Mitte des Zweiten Weltkriegs eines der anerkanntesten Photostudios dieser Zeit betrieb. Sander integrierte jedoch auch Aufnahmen von Linz in sein Portraitwerk, und so rückten die Linzer Jahre zuletzt immer stärker in das Interessensfeld der Forschung.
Die Aufarbeitung von Sanders Frühwerk in Linz zielt nicht allein auf einen Vergleich von einzelnen Bildern und der in ihnen erkennbaren photographischen Auffassung mit späteren Aufnahmen. Vielmehr verfolgt das Projekt auch eine differenzierte Fragestellung nach dem beruflichen und künstlerischen Umfeld Sanders und seinem photographischen Selbstverständnis in Linz. Reflektiert werden die frühen Voraussetzungen und die grundsätzliche Motivation seiner Arbeit sowie Ordnungsstrukturen, die für nachfolgende Mappenwerke auch über das Portrait hinausgehender Thematiken zentrale Bedeutung hatten.
Die Linzer Jahre erweisen sich als eine für Sander wichtige Phase, die mit verschiedenen familiären und beruflichen Ereignissen, sozialen Kontakten zu Linzer Bürgern sowie künstlerischen Einflüssen auf vielfältige Weise einen komplexen Erfahrungshintergrund für die weitere Entwicklung seines Werkes verdeutlichen.
Das Katalogbuch „August Sander, Linzer Jahre (1901–1909)“ umfasst Textbeiträge von Susanne Lange, Gabriele Conrath-Scholl (Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln) und Martin Hochleitner (Landesgalerie Linz), die die jeweiligen Bildbestände sowie erhaltene Materialien erläutern und photo- und kunsthistorisch einordnen.
Eine Ausstellung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, und der Landesgalerie Linz.
Ausstellung in Linz:
1. Dezember 2005 – 8. Jänner 2006
täglich 14 - 19 uhr (mittwochs geschlossen)
Eröffnung: 30. November 2005, 19 Uhr
Ausstellung in Köln:
10. Februar – 7. Mai 2006
täglich 14 - 19 uhr (mittwochs geschlossen)
Eröffnung: 9. Februar 2006, 19 Uhr
Weitere Informationen:
Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7, 50670 Köln
Leitung: Dr. Susanne Lange
Wiss. Mitarbeiterin: Gabriele Conrath-Scholl
photographie@sk-kultur.de
Tel.: 0049 221 226 5900
Landesgalerie Linz
Museumstr. 14, 4010 Linz
Leitung: Dr. Martin Hochleitner
Tel. 0043 732 774482 43
m.hochleitner@landesmuseum.at
Öffentlichkeitsarbeit: MMag. Sigrid Lehner
Tel. 0043 732 774482 53
s.lehner@landesmuseum.at