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von Gabriele Busse
Veröffentlicht am 16.07.2007 Artikel drucken
Spektakuläre Galerieeröffnung einer neuen Galeristengeneration in Berlin?
Berlin. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort eröffnet AA Galleries nach erfolgreichem Start ihrer Galerie in London am 29. September nun auch Ausstellungsräume in Berlin. Ihr deutsches Debüt als Galeristen begleitet die fünfköpfige Künstlergruppe ARTISTS ANONYMOUS in der Kunstmetropole mit einer Schau auf dem parallel stattfindenden ART FORUM BERLIN und vollzieht mit der "Umkehrung" vom Künstler zum Galeristen eine simple wie komplexe Ausdehnung ihres Kunstkonzepts in den Kunstmarkt. ARTISTS ANONYMOUS erklären dazu: "Wir gehen den Weg des Künstlers in alle Richtungen, und in allen Richtungen bis zum Ende".
Die Heidestrasse in Berlin avanciert, seitdem bekannte Galerienamen wie Haunch of Venison oder Spielhaus Morrison in dem Cartier neben dem Hamburger Bahnhof Räume bezogen haben, in der Szene zum neuen Kunstzentrum in Berlin.
Inmitten des Umbruchs eröffnet AA Galleries und zeigt als erste Schau eine Rauminstallation von ARTISTS ANONYMOUS zum Thema Tod mit dem Titel "The Gunslinger and Other True Stories" aus der Serie "Apokalyptische Reiter".
Der Zyklus "Apokalyptische Reiter" umfasst eine Reihe Ganzkörperportraits, die in Format und Komposition an die traditionelle Portraitmalerei des 19.Jhdts. erinnern: Die Hauptfigur ist mittig im Vordergrund des Bildes angelegt, der Hintergrund sichtbar drapiert und mit typischen Accessoires ausgestattet. Inhaltlich beschäftigt sich die Serie mit der Darstellung der Übel der Welt. Umgesetzt werden die Arbeiten in einem Umkehrprozess, der Malerei, Fotografie und Installation verquickt.
Die Umkehr-Technik ist so aufwendig wie das Konzept. Das fünfköpfige Künstlerteam verkörpert sich in jeder Arbeit zu verschiedenen Themen selbst. Als Protagonisten positionieren sie sich wie in einer Theaterszene im Raum, photpgraphieren die Szene, malen diese anschließend und erstellen davon mit der Lochkamera ein Negativphoto.
Am Ende werden die zweidimensionalen Positiv- und Negativbilder als Protagonisten selbst wieder Gegenstand einer Rauminstallation. Die Künstlergruppe sieht sich als Forscher und das Leben als Eingang in temporäre Räume, die sie in ihren Kunstwerken umsetzt.
Um das Thema Tod geht es beim fünften der international bereits ausgestellten "Apokalyptischen Reiter": Aus derselben Serie kamen bereits 2006 die Arbeiten "Hunger" in der Saatchi-Collection in London und „Krieg“ bei Goff + Rosenthal in New York zur Ausstellung. "Castor & Pollux" wurde im gleichen Jahr bei Goff + Rosenthal in Berlin gezeigt. Mit der Arbeit "Drogen" eröffneten AA Galleries 2007 in der Vyner Street in London und ihre Berliner Galerie nun mit der neuen Installation "The Gunslinger and Other True Stories".
AA Galleries belassen ihren 130 m2 großen Ausstellungsraum als offene Architektur. Das Ziel: Ausstellende Künstler sollen provoziert werden, installativ zu denken. Anders als in einem "White Cube", dessen Vorgabe der Präsentationsart schon die Gefahr birgt das einzelne Werk zu interpretieren, besteht bei AA Galleries das Angebot zum "Spiel ohne Grenzen".
Die museale Hängung mit Cabinettecken ist dabei nicht ausgeschlossen, wenn vom Künstler oder Kurator bewusst entschieden. Die Galeristen, die gleichzeitig die Künstler sind, demonstrieren in diesen Überlegungen den Vorteil, den sie aus ihrer Doppelrolle zu ziehen bereit sind.
Das Obergeschoss von AA Galleries bespielen zur Eröffnung junge Künstler wie Ximena Garrido-Lecca (Peru/London), Amir Fattal (Israel/Berlin), Luzifer Prczybilski (Berlin) und Rachel Dreyer (Neuseeland/London).
Ximena Garrido-Lecca zeigt dreidimensional gebaute Kisten, in die sie Stilleben setzt, die der Betrachter durch ein Wandloch jedoch nur zweidimensional erleben darf. Die Künstlerwahl spiegelt das Programm von AA Galleries. Ausgestellt werden auch zukünftig Positionen mit installativem Charakter.
Artists Anonymous sind von Sammlern längst entdeckt. Arbeiten von ihnen befinden sich u.a. in der Saatchi Collection in London, der Sammlung Sander in Berlin, der Collection Heiner Bastian in Berlin, Der Rubell Collection in Miami, der Arthur Zeckendor Collection in London, der Doron Sabag Collection in Israel und mit den neusten Ankäufen auch in der Deutsche Bank Sammlung in London. Ab September sind AA Galleries auch als Akteure im Kunstmarkt eine Entdeckung wert.