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Kunst- und Kultur-Blog der Redaktion Galerien Virtuell.


Art Cologne auf dem Rücken der Pferde

Am Mittwoch, den 31.10.06, ist die internationale Kunstmesse Art Cologne gestartet. Mit ihren jährlichen 60 Mio. Euro Umsatz gehört sie zu den Lieblingen der Galeristen und Künstler unter den Kunstverantsaltungen weltweit.

Dieses Jahr sorgt der griechische Wahlitaliener Jannis Kounellis für Aufregung mit seiner Installation „12 Lebende Pferde“ -; die Boulvardpresse schreit standardmäßig Skandal dazu. Der Kölner Express spricht derweil von 10 Pferden; da ihre Redakteure nur bis 9 zählen können, werden sämtliche Mengen über 9 mit 10 apostrophiert.

Die Organisation “Aktion Tier” sprach am Donnerstag von “absoluter Tierquälerei”, da die Pferde mit einem zu kurzen Strick angebunden seien und auf dem Boden sich nur wenig Stroh befinde. Die “Aktion Mensch” findet die Installation dagegen super erbaulich für den menschlichen Besucher, sie trage zu seinem Wohlbefinden bei. Daher habe diese Kunstaktion gefälligst unbehelligt zu bleiben.

Die “Aktion Veterinäramt Köln” unterstützt “Aktion Mensch” und behauptet, den Tieren täte der Stress nichts zuleide, da die Länge der Stricke und die Dicke der Ströhe den EU-Richtlinien für zugelassene Pferdequälerei entspröche … entspräche. “Aktion Tier” solle sich daher weiterhin um Tiere kümmern - die besagten Tiere seien schließlich Kunst, keine Tiere, und fielen daher nicht in die Zuständigkeit der “Aktion Tier”.

Der italienische Wahlesel Jannis Kounellis hatte schon 1969 erstmals die Kunstszene irritiert. War damals die Installation „12 Lebende Pferde“ als Kritik an der Kommerzialisierung der Künste gedacht, erinnert das aufgewärmte Kunstwerk in Köln an die Zeit, in der am Rhein alles anfing. Damit ist vom alten Haudegen unter den Künstlern eine tolle Abstraktionsleistung erbracht: die 12 Pferde sind also eine Retrospektive.

Die Pferdeäpfel symbolisieren den Vater Rhein, der stetig stinkend dahinfließt, den Zeitenläuften trotzend, das Stroh die Menschen, die am Rhein lebten und deren Nachfahren das Bild der Region heute bestimmen. Die Pferderücken erinnern an Rheinbrücken, die wiederum symbolhaft für die Völkerverständigung stehen, die mit der heutigen EU als quasi erfüllt gelten darf. Die Pferdeköpfe erinnern an die Weisheit der EU-Politiker, deren große Ideen die kleineren menschlichen Köpfe übersteigen.

Bis zum 5. November werden etwa 70.000 Kultursuchende erwartet. Die Messe wird in diesem Jahr zum letzten Mal im Herbst ausgerichtet. Von 2007 an wird sie erstmals im Frühling veranstaltet (18. bis 22. April), in einer Jahreszeit, in der die Budgets der Käufigen noch nicht endgültig verplant sind.


Dieser Artikel wurde am 03.11.2006 um 11:52 Uhr in der Kategorie Ausstellungen verfasst.



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