Die Bundeskunsthalle (Bonn) macht etwas Großes. Auf 8000 Quadratmetern (2000 mehr als die Kunsthalle zu bieten hat) präsentiert sie einen bisher einmaligen Überblick über die Sammlungen der Guggenheim-Niederlassungen in New York, Bilbao, Venedig und Berlin. Zum Vergleich: das New Yorker Guggenheim Museum hat halb so viel Platz. Die Ausstellung geht bis zum 7. Januar 2007 – sie verdient viel Augenlicht. Und eins ist jetzt schon klar: viele Kunst-Pilger werden ihr Augenlicht zur Verfügung stellen.
Die ruhmreiche Kollektion mit ihrer über 70-jährigen Sammlungsgeschichte wird in nie zuvor gesehener Fülle dargeboten. Rund 200 Werke, zum Teil großformatig, schmücken die Bundeskunsthalle – die größte Veranstaltung, die sie je gesehen hat. Das benachbarte Kunstmuseum muss mit seiner Fläche aushelfen.
Kandinsky, Picasso, Rauschenberg und Serra bekommen jeweils ihre eigenen Räume. Der Veranstalter rechnet mit Besucherzahlen um die 800.000 – wundern würde es jedoch niemanden, wenn die 1 Mio.-Marke überschritten werden würde.
Kritiker schimpfen die großangelegten Aktivitäten der Guggenheim Foundation „McDonaldisierung“. Das Franchising-System, wie es die Foundation erstmals in großem Maßstab für Museen entwickelte, käme einem Kunstimperialismus gleich.
Trotz der Unkenrufe, die meist ungehört versumpfen, findet das System viele Nachahmer. Der Pariser Louvre errichtet gerade eine Außenstelle in Metz. Außerdem hat der Louvre eine Multimillionen-Dollar-Partnerschaft mit dem High Museum of Art in Atlanta unterzeichnet und sich verpflichtet, in den kommenden Jahren in großem Maße Meisterwerke in die USA zu entleihen.
Die Ausstellung „The Guggenheim Teil I: Collection“ ist vom 21. Juli 2006 bis 7. Januar 2007 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, zu sehen.